Nach AKP-„Schleichwerbung“: Galatasaray-Boss wird auf Twitter attackiert

Manchmal entstehen Twitter-Trends wie aus dem Nichts. Da formieren sich riesige Fangemeinden oder Anhänger einer bestimmten Bewegung, um ein Thema oder eine Person in den Vordergrund zu stellen. Im Fall von Galatasaray Chef Ünal Aysal ist der Grund allerdings handfest. Er hatte sich im TV einen folgenschweren Fauxpas erlaubt.

Der Chef der türkischen Süper Lig Mannschaft Galatasaray, Ünal Aysal, wurde zum so genannten „trending topic“, nachdem Fußballfans die Seite des Microblogging-Dienstes mit kritischen Tweets geradezu überflutet haben. Wie türkische Medien berichten, behauptete Aysal, dass 20 Millionen Galatasaray-Fans während der Wahlen im vergangenen Sommer für die regierende AKP gestimmt hätten (Erdogan war am 12. Juni als klarer Sieger aus den Parlamentswahlen hervorgegangen – mehr hier).

„Ich vermute, dass von den 25 Millionen Galatasaray-Fans, 20 Millionen für die AKP gestimmt haben“, so Aysal in einer Fernsehsendung, am vergangenen Donnerstagabend auf eine Anmerkung von Moderator Mehmet Ali Birand hin, dass Premier Recep Tayyip Erdoğan immer noch verärgert wäre, weil er während der Eröffnungszeremonie des neuen Galatasaray-Stadions im vergangenen Jahr von einer Gruppe von Fans ausgebuht wurde.

Sind alle Galatasaray-Fans Erdoğan wohl gesonnen?

„Der Premierminister ist keine Person, die lange Groll hegt. Es gibt für ihn wichtigere Dinge, mit denen er sich beschäftigen muss“, erwiderte Aysal daraufhin und merkte an, dass wohl gut 80 Prozent der Galatasaray-Fans für die AKP gestimmt hätten. „Deshalb“, so führte er weiter aus, „glaube ich nicht, dass der Ministerpräsident ein Problem mit uns hat.“

Doch mit seiner Einschätzung hatte sich Ünal Aysal offenbar gewaltig getäuscht. Schnell wurden seine Aussagen zu einem Trend in der türkischen Twittersphäre. „Das ist das ultimative Indiz für politische Einmischung im Sport“, so ein verärgerter User. Es folgten zahlreiche Nachrichten, in denen Galatasaray-Fans sich vehement davon distanzierten Unterstützer der AKP zu sein.

Türkische Fußballwelt von Manipulationsskandal belastet

Ohnehin ist die türkische Fußballwelt seit Juli vergangenen Jahres schwer durch den Spiele-Manipulationsskandal erschüttert (erst vergangenen Samstag wurde der Vize-Präsident von Trabzonspor angeschossen – mehr hier). Derzeit drohen Aysals Kollegen, Fenerbahçe-Präsident Aziz Yıldırım, bis zu 114 Jahre Haft (gegen Yildirim sowie einige andere Club-Offizielle und Spieler ist wegen der Verwicklung in den Manipulationskandal im türkischen Fußball bereits Anfang Dezember 2011 Anklage erhoben worden – mehr hier).

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