Krise in der Türkei: Organspender dringend gesucht!

Ganze 2000 Patienten warten in der Türkei derzeit dringend auf ein Spenderorgan. Doch die Zahl der verpflanzten Organe blieb auch 2011 erschreckend niedrig. Gerade einmal 320 wurden transplantiert.

Ob sich die Türkei ein Beispiel an Helene Campbell nehmen sollte? Die Lungenkranke junge Frau hatte den kanadischen Popstar Justin Bieber gebeten, seine Twitter-Follower auf den weltweit herrschenden Mangel an Spenderorganen aufmerksam zu machen (sie wandte sich via Twitter und YouTube an den Weltstar – mehr hier). Und es hat funktioniert (durch das Weitertragen der Botschaft durch Justin Bieber wurde in Toronto eine wahre Registrierungswelle ausgelöst – mehr hier).

Gesichtstransplantation von Uğur Acar ging um die Welt

Auch in der Türkei erfuhr das Thema erst in der vergangenen Woche einen erneuten medialen Hype, nachdem es türkischen Ärzten an der Universitätsklinik von Akdeniz gelungen war, die erste erfolgreiche Gesichtstransplantation bei einem 19-Jährigen durchzuführen ( Als Baby erlitt Uğur Acar schwere Verbrennungen – mehr hier). Der junge Mann hatte, nach einem Rückschlag im vergangenen Jahr, nun Glück. Die Familie des 39-jährigen Ahmet Kaya, der am 8. Januar von einem Zug erfasst und getötet wurde, entschloss sich, seine Organe zur Transplantation freizugeben. Sein Gesicht erhielt darauf hin Uğur Acar. Dem frisch Operierten gehe es soweit gut. Seit vergangenen Mittwoch, soll er Berichten zufolge, bereits wieder sprechen und trinken können.

Doch die positiven Nachrichten der vergangenen Tage können die Sorgen der Menschen, die dringend auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten, nicht mildern. Bahri Kemaloğlu, Leiter des Gesundheitsministeriums und verantwortlich für die Abteilung Organspenden, erklärte, dass die Türkei in Sachen erfolgreicher Organtransplantationen mit anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich oder Portugal durchaus auf Augenhöhe sei. Doch im Vergleich zu diesen Ländern sei in der Türkei die Zahl der Organspenden ausgesprochen niedrig.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hätten derzeit rund 18.000 Patienten  Nierenprobleme, während auf Leber, Herz oder Bauchspeicheldrüse im Augenblick 1.700, 250 bzw. 200 Menschen hoffen. Jeder fünfte von ihnen lebt zurzeit in Istanbul. Laut Timur Erk, Chef der türkischen Nieren Stiftung, gab es 2011 3,000 Nierenverpflanzungen in der Türkei. Das ist eine Steigerung um zehn Prozent im Vergleich zu 2010. Genug, so Erk, sei das allerdings noch lange nicht. Er ist überzeugt, dass das Bewusstsein für Organspenden in der Türkei noch weiter vorangetrieben werden müsse. Und es gäbe noch ein weiteres Problem. So seien in der gesamten Türkei gerade einmal 100 medizinische Fachkräfte mit der Koordination der Transplantationen betraut. Auch das sei viel zu wenig.

Die erste Organtransplantation in der Türkei, ein Herz, fand 1969 in Ankara statt (die erste Gebärmutter-Transplantation gab es erst 2011 – mehr hier). In Deutschland ist die Zahl der Organspenden im vergangenen Jahr um sieben Prozent zurückgegangen. Laut Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten hierzulande 12.000 Menschen auf eine Transplantation.

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