Vize-Premier Babacan: Türkei schützt sich vor wirtschaftlichen Schäden aus der EU

Der Stellvertretende Ministerpräsident der Türkei, Ali Babacan, erklärte, dass einige Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos optimistisch hinsichtlich der Situation Europas eingestellt wären. Der Blick der Türkei ist jedoch ein kritischer.

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Es werde Jahre dauern, um eine vollständige Lösung der strukturellen Schwierigkeiten des Euro-Raums zu erreichen, so Babacan in einem Interview mit „Bloomberg“. Die Euro-Mitglieder seien über ihre eigenen finanzpolitischen Regelwerke gestolpert, reagierten zu langsam auf die tiefe Schuldenkrise in Griechenland und „machten im August Urlaub ohne zuvor etwas getan zu haben“. „Den Preis dafür“, da ist sich Babacan sicher, „werden sie über Jahre zahlen müssen.“

Europa kann türkisches Wachstumsziel beeinflussen

Die Türkei könne hier nur Warnungen aussprechen und seine eigene Wirtschaft vor wirtschaftlichen Schäden aus der Europäischen Union schützen, indem man sich ein enges Budget schnürt und eine Senkung der Staatsschuldenquote anstrebt. Noch immer sei es möglich, so Babacan, dass eine Verschlechterung in der europäischen Wirtschaft auch das türkische Wachstumsziel, das für die Türkei entgegen unabhängiger Prognosen von außen, in diesem Jahr bei vier Prozent liegen soll, nach unten drücke.

Bereits am vergangenen Donnerstag gab sich Babacan in einer Fernsehsendung jedoch selbstbewusst, dass man diese Situation gut überstehe. Dort erklärte er, dass die Türkei, wäre sie EU-Mitglied, es nicht zugelassen hätte, dass man überhaupt in eine solche Krise gerate. Konkret sagte er: “Wir überholen eine Volkswirtschaft nach der anderen. Wenn türkische Politiker an der Spitze Europas stünden, wären die Probleme innerhalb von drei Monaten gelöst.” (ins gleiche Horn bläst auch EU-Minister Egemen Bağış. Er ist der Ansicht, dass die Türkei als EU-Mitglied die Rettung Europas wäre – mehr hier)

Im Rahmen des Weltwirtschaftsforums sprach Ali Babacan in insgesamt fünf verschiedenen Arbeitsgruppen. Während seiner Zeit in der Schweiz gab es auch Treffen mit hochrangigen Managern (die türkische Familienminsterin ist übrigens die erste türkische Politikerin beim Weltwirtschaftsforum, mehr hier).

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