Türkei: Ausländer brauchen ab sofort Pflichtversicherung

Die Türkei hat rückwirkend zum 1. Januar 2012 ein Gesetz zur Pflicht-Krankenversicherung namens "Sozialversicherungs- und universales Krankenversicherungsgesetz" [UHI] eingeführt. Es betrifft alle Ausländer, die seit Jahresanfang bereits mehr als ein Jahr in der Türkei leben.

Alle in der Türkei lebenden Ausländer haben nun bis zum 31. Januar 2012 Zeit sich in der nächst gelegenen Sozialversicherungsbehörde (Sosyal Güvenlik Il Müdürlüğü) registrieren zu lassen. Wer die Frist versäumt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Eine genaue Höhe ist allerdings noch nicht bekannt.

Mit dieser Regelung sollen alle ausländischen Mitbürger, die langfristig in der Türkei zu Hause sind, dazu gebracht werden, sich binnen Monatsfrist vor Ort kranken zu versichern und auch Beiträge zu bezahlen. Betroffen sind alle, die nicht türkischer Herkunft sind, eine türkische Aufenthaltsgenehmigung besitzen und nichtKunde bei einer ausländischen Krankenversicherung sind.

Je nach Staatsangehörigkeit verschiedene Regelungen

Allerdings gibt es verschiedene Interpretationen, was die Versicherung „gemäß der Gesetzgebung eines fremden Landes“ betrifft – vor allem hinsichtlich dessen, ob es sich um eine Reisekrankenversicherung oder eine Absicherung als Privatpatient handelt (auch Türken bevorzugen eine Behandlung in privaten Krankenhäusern – mehr hier). In diesem Fall sind die ausländischen Mitbürger von der türkischen Versicherungspflicht befreit. Anders sieht es da zum Beispiel für US-Bürger aus, deren Versicherungen in der Regel keine Leistungen im Ausland übernehmen. Darüber hinaus macht die türkische Gesetzgebung keinen Unterschied, ob die in der Türkei lebenden Ausländer dort beschäftigt sind oder nicht.

Die neue Pflichtversicherung bietet jedoch auch Vorteile für die in der Türkei lebenden Ausländer. Mussten sie sich bisher teuer privat versichern, gewährt ihnen die Regierung nun Zutritt in das gesetzliche System. Auswanderer, die keinerlei Versicherungsschutz haben, müssen eine medizinzische Versorgung in der Regel bar bezahlen (auch in der Türkei grassieren immer noch Seuchen wie zum Beispiel Tuberkulose – mehr hier). Mit der neuen Gesetzgebung werden sie mit ihren türkischen Nachbarn auf eine Stufe gestellt. Es gelten für sie aber auch die gleichen Pflichten – nämlich die Prämien rechtzeitig zu bezahlen.

Binnen vier Wochen erlischt Versicherungsschutz

Wissenswert für deutsche Staatsbürger, die eine Auswanderung in die Türkei planen (um die türkische Sprache bemühen sie sich bereits redlich – mehr hier): „Der Versicherungsschutz durch die Krankenversicherung endet automatisch mit der Abmeldung Ihres Wohnsitzes in Deutschland. In der Regel gibt es eine Kulanzfrist von einem Monat. Innerhalb dieses Monats können Sie von der Krankenkasse noch die gewohnten Leistungen erhalten, selbst wenn Sie sich nicht mehr in Deutschland aufhalten. Eine Ausnahmeregelung gibt es für Rentner (…) Auch Arbeitnehmer, die bei einem Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland beschäftigt sind, können Ihre deutsche Krankenversicherung in der Türkei behalten“, so die Bundesagentur für Arbeit. Darüber hinaus bestehe aber auch die Möglichkeit, sich in der Türkei über eine deutsche Krankenversicherung privat zu versichern (andersherum wurden in Deutschland bereits Forderungen laut, kultursensible Aspekte in der Medizinerausbildung zu berücksichtigen – mehr hier).

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