Vorsprung gegenüber EU ausbauen: Türkische Regierung setzt voll auf digitale Technologien!

Nihat Ergün, Industrie- und Handelsminister der Türkei, hat sich in der vergangenen Woche mit führenden Computerherstellern, GSM-Betreibern und Software-Experten in Istanbul getroffen. Im Hauptgebäude der türkischen Tageszeitung "Zaman" diskutierten sie über die Zukunft des IT-Sektors in der Türkei. Das Ergebnis: Ein Abkommen, das vorsieht, staatliche Anreize zu erhöhen, um diesen Bereich für heimische Unternehmen attraktiver zu machen.

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Mit Hilfe dieser Übereinkunft wird der türkische IT-Sektor, neben der heimischen Automobilbranche (türkische Investoren planen derzeit Saab zu kaufen – mehr hier), zu einem der beiden Bereiche, der von der Regierung den Großteil der staatlichen Anreize erhält. Immerhin: Der Deal soll der Türkei nicht nur den Weg ebnen, in den kommenden zehn Jahren zu einem der führenden „Player“ auf dem globalen IT-Markt zu werden, sondern auch helfen die Abhängigkeit des Landes von ausländischer Technologie ebenso wie das Leistungsbilanzdefizit zu reduzieren.

Anreize für internationale IT-Unternehmen

Um diese Ziele zu erreichen, so erklärte Nihat Ergün, bedarf es einer Reihe von Schritten. Mitunter gilt es zu betrachten, inwieweit die Anzahl der angemeldeten Patente die Effektivität türkischer Hochschulen widerspiegelt. Gleichzeitig müssten Anreize geschaffen werden, um die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und der IT-Branche zu intensivieren. Auch müssten Technologieparks entwickelt und Industrie-Knotenpunkte vorangetrieben werden, von denen alle Unternehmen profitieren könnten. Daneben, so fährt der Minister fort, wird die Regierung IT-Firmen bei der Initiierung neuer Projekte, die die  Nachfrage nach IT-Produkten steigern, unter die Arme greifen. Darüber hinaus sollen auch internationale Unternehmen durch entsprechende Anreiz-Pakete ermutigt werden, ihre Produktions- und Forschungsstätten in die Türkei zu verlagern.

Türkische IT- und Elektronik-Sektor besitzen Schlüsselrolle

Im Gespräch mit den Teilnehmern beschreibt Ergün die positiven Entwicklungen, die die türkische Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren durchlaufen hat. Er unterstrich jedoch auch, dass sich das Land derzeit erneut an einem Wendepunkt befände, welcher die Entwicklung von fortschrittlichen Technologien erfordere, um die Produktionskapazitäten der türkischen Unternehmen in Einklang mit den globalen Wettbewerb zu bringen. Seiner Ansicht werde der IT- gemeinsam mit dem Elektronik-Sektor eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Technologien spielen, die die Produktion von absoltem High-Tech-Equipment erst möglich machen.

„Wir müssen den Vorteil der jungen türkischen Bevölkerung nutzen, wenn wir nach Wegen Ausschau halten, wenn wir die Bereiche IT und Elektronik voranbringen wollen“, so Ergün weiter (auf Grund seiner demographischen Struktur ist für das Gros der Türken der Umgang mit neuen Technologien ohnehin selbstverstänlich – mehr hier).

Mehmet Nane, General Manager bei Teknosa, erinnerte in diesem Zusammenhang an die Erfolge etwa von China (die China Development Bank hat erst kürzlich Turkcell einen Kredit gewährt – mehr hier) oder Indien. Beide Nationen begannen bereits vor etwa 25 Jahren ihren IT-Sektoren zu formen. Mit Blick auf sie ist er überzeugt, dass nun ein langfristiger strategischer Plan her müsse. Es sei schwer Hardware und am Ende gar eine Marke zu entwickeln. Deshalb müsse man sich in der Türkei eher auf die besonderen Fähigkeiten der jungen Leute und die Entwicklung neuer Software konzentrieren.

Türkische Schüler müssen stärker gefördert werden

Auch Faruk Eczacıbaşı, Präsident der Turkish Informatics Foundation (TBV), gestand ein, dass die Türkei erst relativ spät überhaupt Interesse am IT-Sektor zeigte. Doch auch er zeigt sich überzeugt, dass eine Hinwendung zu diesen Bereichen unvermeidlich ist. Immerhin hätten die auf diesem Gebiet besonders erfolgreichen Nationen damit bereits in den frühen 80er Jahren begonnen. Besonders heraus stellte er in diesem Zusammenhang das Technologie-Projekt „FATİH“, welches vorhat Standards und Qualität in der türkischen Bildung durch die Einführung intelligenter Klassenräume, Tafeln und Computer im gesamten Land zu verbessern. „Das  FATİH-Projekt wird es der Jugend des Landes ermöglichen diesem in 15 Jahren als Produzenten zur Verfügung zu stehen.“ Er selbst, so fügt er an, wünsche sich in der Türkei mehr Projekte dieser Art, die vom heimischen Industriesektor unterstützt werden sollten, während die Regierung auf der anderen Seite Soft- und Hardware von Lieferanten beziehen sollte. Ausschlaggebend für den Erfolg seien seiner Ansicht nach schnelle und effektive Produktionsketten, die es den Unternehmen erlauben würden Produkte so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen (Nachholbedarf gibt es aber nicht nur in den Schulen, sondern vor allem im Osten und Südosten des Landes – mehr hier)

Exper und Casper wollen verstärkt zusammenarbeiten

Unter den Teilnehmern befand sich auch Altan Aras Fakılı, CEO von Casper. Er stellte heraus, dass sein Unternehmen bereits seit 20 Jahren innerhalb des IT-Sektors operiere. Seit kurzem gehöre man sogar zu den führenden Produzenten von lokalen Marken im Nahen Osten, Afrika und Europa. Der Marktanteil bei Computerkäufen in der Türkei liege derzeit bei 16 Prozent. Die Produktionskapazität liege derzeit bei einer Million Stück. In der Türkei sei man bereits Marktführer und froh darüber, denn in Ländern wie China und Brasilien wäre die Bindung an eine solche lokale Marke nicht besonders hoch. Auch Nazım Özdemir von Exper A.S. ist der Überzeugung, dass es nun eine Strategie brauche, um die Türkei zu einem wichtigen Standort für Technologieprodukte zu verwandeln. Er erklärte: „Wir haben hier bisher keine Massenproduktion, denn es gab keine Projekte, die das erforderlich gemacht hätten. Exper und Casper zählen zu den Top 20 Marken in der Welt. Das wurde nur durch die Anstrengunge derer erreicht, die bereits in dieses Geschäft involviert sind. Wir planen eine enge Zusammenarbeit mit Casper, um eine effektive Rolle in diesem Projekt zu spielen.“ (ohnehin ist EU-Minister Egemen Bağış überzeugt, dass die Türkei auch hinsichtlich der Europäischen Union eine helfende Rolle spielen könnte – mehr hier)

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