Nach Loveparade-Katastrophe: Oberbürgermeister Sauerland fleht Deutsch-Türken um Hilfe gegen Abwahl an

Über ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe: Sauerland ruft Deutsch-Türken in der türkischen Presse auf, gegen seine Abwahl zu stimmen. Sind sie seine letzte Chance im Amt zu bleiben?

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„Wer glaubt, hinter dieser Initiative stecke keine politische Kraft, der läuft mit Scheuklappen durch das Land“, sagte Oberbürgermeister Adolf Sauerland der deutschen Ausgabe der Sabah. Bei dem Entscheid am 12. Februar müssen 20 Prozent der Wahlberechtigten für eine Abwahl  stimmen, dann müsste Sauerland sein Amt niederlegen.

Oberbürgermeister Sauerland hat keine Berührungsängste

Für die Integration habe er in Duisburg viel getan, betont er. Die Türkischstämmigen könnten ihre Sympathie für ihn bei der Abstimmung zeigen. Die türkischen Gemeinden bestätigten sein Engagement im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Hüseyin Cetin, Pressesprecher der Duisburger DITIB-Moschee-Gemeinde, erklärte: „Es gab eine gute Zusammenarbeit mit Sauerland. Vor allem beim Bau der Marxloher Moschee hat er uns unterstützt.“ Er sei immer sehr aktiv an regionalen Projekten interessiert gewesen. Deutsch-Türken hätten sich akzeptiert gefühlt. „Er ging zu fast allen Veranstaltungen. Auch, wenn nur ein Imbiss eröffnet wurde, war er da“, so Cetin. „Er hatte einfach keine Berührungsängste“, sagte auch ein Vertreter des Verbands Islamischer Kulturzentren (VIKZ). Sauerland habe stets den Kontakt zu den Menschen in Duisburg gesucht (während die Medien offenbar noch immer nicht ganz sachlich über Migranten berichten – mehr hier).

Die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ hatte mit einer Unterschriftenaktion für die Abstimmung gesorgt. Nach der Loveparade-Katastrophe im Juli 2010 geriet besonders Sauerland ins Visier der Kritik. Die Stadtverwaltung hatte die Veranstaltung genehmigt. Trotz starker Proteste war er nicht zurückgetreten. Nun versucht er, sein Integrations-Engagement zu nutzen und hofft, dass sich die Deutsch-Türken (sie befürchten derzeit übrigens weitere Neonazi-Morde – mehr hier) der Region für ihn starkmachen.

Loveparade-Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Ali Aydin, Vorsitzender des Vereins türkischer Geschäftsleute in Duisburg und Umgebung (TIAD), erklärte den Deutsch Türkischen Nachrichten, es sei wichtig, dass die Türkischstämmigen an der Abstimmung teilnehmen. Das sei ganz unabhängig davon, wie sie abstimmen. „Wir als Verein geben keine Empfehlung ab, wir haben die
unterschiedlichsten Mitglieder und jeder muss das selbst entscheiden“,  so Aydin.

Zur Loveparade sagt er, der Vorfall sei in der „Gesamtheit sehr tragisch“ gewesen, für die Opfer und Angehörigen, aber auch für die gesamte Region. Die Untersuchungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen und man dürfe keine voreiligen Schlüsse über die Schuldigen ziehen. Er persönlich könne bestätigen, dass sich Sauerland sehr für die Türkischstämmigen eingesetzt habe. „Er hat stets an Veranstaltungen der TIAD teilgenommen und hat an die Fastenbrechen der muslimischen Gemeinden besucht“, so Aydin.

Am 12. Februar wird sich zeigen, welche Ereignisse im Leben Sauerlands entscheidender waren. Sein gesellschaftliches Engagement oder seine Rolle beim Loveparade-Unglück. Während sich Deutsch-Türken in Duisburg von einem Oberbürgermeister anerkannt fühlen, sehen sich die Angehörigen der Loveparade-Opfer im Stich gelassen.

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