Erdoğan verhält sich in Armenier-Frage wie „ein Kind in der Sandkiste“

Erdoğan sollte sich in Bezug auf das in Frankreich verabschiedete Gesetz, das die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt, rational und strategisch verhalten. Stattdessen benehme er sich wie ein Kind, meint Michael Kambeck, Generalsekretär der Europäischen Freunde Armeniens.

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Die Empörung der Türkei und die Reaktion ihres Ministerpräsidenten Erdoğan sei eines starken und reifen Landes „unwürdig“, erklärte Michael Kambeck, Generalsekretär der NGO Europäische Freunde Armeniens. Die „Hysterie in der Türkei“ nachdem das Gesetz vom französischen Senat am 23. Januar angenommen wurde, hätte nicht selbstschädigender sein können. Das offizielle Statement der Türkei zum Gesetz erinnere an „arabische Führer, die von ihrem Volk verdrängt wurden“, so Kambeck.

Michael Kambeck: Armenier-Gesetz schützt Freiheit

Erdoğans Behauptung, das Gesetz verletze die Pressefreiheit sei nicht haltbar (im Pressefreiheit-Ranking hat die Türkei 2011 zehn Plätze einbüßen müssen – mehr hier). Ganz im Gegenteil, das Gesetz schütze die Freiheit. Weder journalistische noch wissenschaftliche Arbeit würden damit eingeschränkt werden. Das Gesetz schütze aber vor Hardlinern, die offensichtliche Propaganda betreiben, argumentiert Kambeck.

Die Türkei beschuldigt Sarkozy auf Stimmenfang zu sein und das Gesetz durch den von der armenischen Lobby ausgeübten Druck unterstützt zu haben. Kambeck sagt, Erdoğan vergesse dabei die große Anzahl der türkischstämmigen Wähler in Frankreich. Er betont, Deutschland müsse ein ähnliches Gesetz in Betracht ziehen. „Erdoğans Reaktion nur aus Drohungen“, so Kambeck. Die Beziehungen zu Frankreich seien nun mehr als angespannt (für Sarkozy setzt Erdoğan die Beziehung zu Frankreich aufs Spiel – mehr hier).

Dabei habe die Türkei eine andere, clevere Möglichkeit gehabt zu reagieren (ein Philosoph empfiehlt der Türkei, die Schuld Europa zuzuschieben – mehr hier). Die Türkei hätte die Brücke zu Armenien finden können und einen Prozess der Diskussion des Themas eröffnen können. Kein anderes Land hätte sich in diesen Prozess einmischen können.

„Die Türkei hätte erklären können, dass die Ereignisse von 1915, egal um was es sich dabei gehandelt hatte, im Osmanischen Reich geschehen seien und deshalb nur indirekt die moderne Türkei betreffen“, so Kambeck. Die Null-Problem-Politik gegenüber den Nachbarstaaten hätte weitergeführt werden können, meint er. Stattdessen sei diese nun fehlgeschlagen und die Türkei sei nun vor allem bekannt dafür, „laut“ zu sein. Es sei im Interesse des türkischen Volkes, dass Erdoğan sein Amt niederlege.

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