Präsident Wulff droht Journalisten mit „strafrechtlichen Konsequenzen“

Von wegen Vorbild bei der Pressefreiheit: Wie die Bild-Zeitung am Montag bestätigt, hinterließ Christian Wulff eine Mobilbox-Nachricht mit Drohungen im Rahmen der Veröffentlichungen zu seinem Hauskredit. Wulff hatte sich zwei Tage später wieder dafür entschuldigt. „Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft“, heißt es jetzt aus dem Bundespräsidialamt.

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Die Pressefreiheit in Deutschland wird immer wieder als europäisches Vorbild genannt, während der Einfluss des türkischen Staates auf die Medien ein wiederkehrendes Thema ist. Erst vor wenigen Wochen hatte sich der türkische EU-Minister Egemen Bağış rechtfertigen müssen, dass in der Türkei kein Journalist wegen seiner journalistischen Aktivitäten eingesperrt sei (mehr hier). Aber auch die Medien selbst überschreiten oft empfindliche Grenzen: Das führte sogar so weit, dass private Gespräche von Premierminister Recep Tayyip Erdoğan, die er mit seiner Gemahlin im heimischen Schlafzimmer führte, aufgezeichnet wurden (mehr hier).

Aber von wegen Pressefreiheit in Deutschland: Wie in diesen Tagen quer durch alle deutschen Medien bekannt wird, interveniert in Deutschland sogar der Bundespräsident selbst bei der größten heimischen Zeitung. Christian Wulff hatte kurz vor der Veröffentlichung einer Bild-Geschichte zum fragwürdig finanzierten, privaten Hauskredit des Präsidenten dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann eine lange Nachricht auf der Handy-Mobilbox hinterlassen, in der sich Wulff über die Recherchen zum Hauskredit beklagt und mit „strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen Bild-Redakteur“ droht. Zuvor hatte Wulff schon eine Stellungnahme abgegeben, die er aber wieder zurücknahm. Zwei Tage nach der Veröffentlichung bat Wulff in einer abermaligen Mobilbox-Nachricht um Entschuldigung für den Ton und Inhalt seiner Äußerungen. Das alles hat die Bild-Zeitung am Montag bestätigt.

Ob es in Deutschland dafür mehr Konsequenzen gibt als in anderen Ländern, bleibt noch offen. Das Bundespräsidialamt erklärte heute nur, dass die Pressefreiheit für den Präsidenten „ein hohes Gut“ sei. „Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft“, war die dürftige Erklärung. Ob diese Geschichte damit im neujährlichen Trubel unter geht oder Auswirkungen haben wird, bleibt derzeit ungewiss.

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