Türkische Opposition: „Uludere war geplantes Massaker“

Regierung und Militär behandeln den Luftangriff in Şırnak als Kollateralschaden im Kampf gegen den Terror. Abgeordnete der Oppositionspartei bewerten den Vorfall als vorsätzlichen Mord.

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Nach dem Kemal Kılıçdaroğlu die Familien der 35 Opfer des Luftangriffs in dem Ort Uludere in der Provinz Şırnak besucht hatte, hat eine Delegation von sechs Mitgliedern der CHP ebenfalls die Region besucht. Nachdem sie mit Servet Encü – einer Überlebenden – und einigen der Dorfbewohner, die den Vorfall beobachtet hatten, gesprochen hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass es sich bei dem Vorfall um ein geplantes Massaker handelt. „Zu sagen, es handle sich um einen Unfall oder eine Fahrlässigkeit würde das Geschehen herabwürdigen“, so CHP-Vize-Chef Sezgin Tanrıkulu.
Die sechs CHP-Mitglieder, die von Kılıçdaroğlu mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragt worden waren, sind Veli Ağbaba, Hasan Ören, Nurettin Demir, İdris Yıldız, Salih Fırat und Hüseyin Aygün. Neben den Familien der Opfer in dem Dorf Gülyazı, traf sich die Delegation mit dem Landrat und dem Gouverneur von Şırnak. In den nächsten Jahren wollen die Delegierten ihren Bericht der Partei vorlegen. Außerdem werden sie beim Parlament (TBMM) einen Antrag stellen, die Vorfälle zu untersuchen.
Der Abgeordnete der CHP von Tunceli, Hüseyin Aygün, machte dabei umstrittene Aussagen. Während er die Vorfälle als „Massaker“ bewertete, gab er den Vorfall, wie er ihn von Servet Encü erfahren hatte, wieder: „So wie mir der Vorfall berichtet wurde, haben die Soldaten die Schmuggler daran gehindert, ins Dorf zurückzukehren. Daraufhin kontaktierten die Schmuggler die Dorfbewohner und teilten ihnen die Situation mit. Diese wiederrum waren in Kontakt mit dem Militär und informierten den Adjutanten von Tugay und nach einer Stunde kamen die F-16 und begannen mit der Bombardierung“.
Leider müsse er sagen, dass er zu dem Schluss gekommen sei, es handle sich um ein organisiertes Massaker und einen geplanten Mord, so Aygün. Auch die anderen Delegierten seien einer Meinung mit ihm.
Der Abgeordnete von Malatya, Veli Ağbaba, äußerte, er sei der Überzeugung, dass es sich um einen „bewussten und beabsichtigten“ Angriff gehandelt habe. „Keiner von ihnen ist von der PKK. Die Dorfbewohner glauben, dass es eine organisierte Sache war, das können wir aber derzeit noch nicht mit Gewissheit sagen“. Er forderte, dass eine Untersuchungskommission errichtet wird“.

Bülent Arınç: Angehörige der Opfer bekommen Entschädigung

Regierungssprecher Bülent Arınç erklärte, die Regierung sei sich im Fall Uludere ihrer Verantwortung bewusst und werde alles mögliche tun, um die den trauernden Angehörigen beizustehen. Innerhalb weniger Tage würden Entschädigungszahlungen an die Angehörigen der Opfer in die Wege geleitet. Auch wenn das den Schmerz nicht erleichtern könne.

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