Davutoğlu: Gefahr eines „Kalten Kriegs” im Nahen Osten

Die Türkei gibt sich als Vermittler zwischen den rivalisierenden Ethnien und Konfessionen der Nachbarländer. Die Gesellschaften der Region erwarten ein neues politisches Verständnis, so Davutoğlu.

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Angesichts der steigenden Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der Region des Nahen und Mittleren Ostens, warnt der türkische Außenminister Davutoğlu vor der Gefahr, die von einem möglichen „Kalten Krieg” ausgeht. Eine solche Entwicklung wäre ein „Selbstmord” für die ganze Region, so der Außenminister.

Vor seiner Reise in den mehrheitlich schiitischen Iran bezog Davutoğlu Stellung zu den Auseinandersetzungen zwischen verschienen Ethnien und Konfessionsgruppen in den Nachbarländern. Außerdem äußerte er sich zu den Machtbestrebungen der Staaten untereinander um die Vormachtstellung in der Region.

„Lassen sich mich ganz offen sagen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, einen Kalten Krieg in der Region zu beginnen“, zitiert die türkische Tageszeitung Zaman den Außenminister. Die Türkei werde alles daran setzen, einen regionalen Kalten Krieg zwischen den konfessionellen Gruppen zu verhindern. Er verweist darauf, dass ein solcher Zustand Jahrzehnte lang anhalten könnte.

Der Außenminister reise in den Iran, um deutlich zu machen, dass die Türkei gegen jede Art von Polarisierung bei der iranisch-arabischen Spannung sei. Auch sei es nicht ihr Ziel, eine bestimmte Achse zu errichten.

Die mehrheitlich von Sunniten bewohnte Türkei möchte in den Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten in den angrenzenden Nachbarländern Iran, Irak und Syrien die Rolle des Moderators übernehmen. Währenddessen streben der schiitische Iran und das sunnitische Saudi Arabien danach, ihren Einfluss in der Region auszuweiten.

Bei seinem Besuch in Teheran hat Davutoğlu vor, sich außerdem zu dem iranischen Atomprogramm und den Entwicklungen im Irak und in Syrien zu äußern.

Die USA und die EU haben derweil den Druck auf den Iran erhöht. Am Mittwoch haben sich europäische Diplomaten darauf verständigt, den Import von iranischem Öl zu verbieten. Außerdem schickte Washington seinen Finanzleiter für Asien, um weitere Sanktionen zu besprechen.

Zuletzt drohte der Iran zu handeln, falls die amerikanische Marine einen Flugzeugträger in den Golf bringt. Damit machte der Iran seine bislang aggressivste Äußerung nach Wochen des Säbelrasselns, nachdem die finanziellen Sanktionen begonnen hatten, die iranische Wirtschaft zu beeinflussen.

„Die Türkei ist entschieden gegen neue regionale Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, wie auch gegen eine Anti-Iran-Stimmung im Golf“, so Davutoğlu.

Besonders ging er auf den benachbarten Irak ein, welches sich in konfessionelle und ethnische Machtbereiche unterteilt. Während die Kurden im Norden des Landes ihre Autonomie festigen, dominieren Schiiten den Süden und verschanzen sich in Bagdad. Sunniten sondieren zurzeit, ob sie im Zentrum und im Westen des Landes ihre eigene autonome Region gründen können.

„Unsere Irak Politik sieht vor, enge Beziehungen zu allen Seiten aufzubauen. Niemand sollte aus der Überzeugung heraus handeln, dass eine Ideologie, eine Konfession, eine Ethnie dominieren soll wie es in der Vergangenheit geschehen ist. Die Gesellschaften in der Region wollen ein neues politisches Verständnis, so Davutoğlu.

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