Putschversuch: Türkischer Ex-Militärchef verhaftet

Erstmals in der Geschichte der Türkei wird ein ehemaliger Generalstabschef festgenommen. Ilker Başbuğ soll an einem Putschversuch im Jahr 2003 beteiligt gewesen sein. Er nennt die Anschuldigungen „traurig und unverständlich“.

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Ilker Başbuğ soll einem illegalen Netzwerk, dass Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und die rechtmäßig gewählte Regierung stürzen sollte, angehört haben. Am Donnerstag wurde der Ex-Generalstabschef festgenommen – erstmals in der türkischen Geschichte trifft es jemanden in seiner so hohen Position. Andere Generäle, die auch wegen Putschversuch inhaftiert sind, hatten türkischen Medienberichten zufolge ausgesagt, Başbuğ sein in den Fall verwickelt gewesen.

Nachdem ihn die Staatsanwaltschaft in Istanbul sieben Stunden verhört hatte, wurde er für eine medizinische Kontrolle zwischenzeitlich entlassen. In dieser Zeit wendete er sich an die Medien und erklärte dem Nachrichtensender „NTV“: „Ich weise die Schuld von mir. Als Generalstabschef bin ich der Kommandant der türkischen Armee, die zu den stärksten Armeen der Welt gehört. Dass der Befehlshaber einer solchen Armee eine bewaffnete Terrororganisation gegründet und geleitet haben soll, kann man Tragikomik nennen.“

Er nannte die Anschuldigungen „traurig und unverständlich“. Allein schon die öffentlichen Beschuldigungen seien für ihn „die größte Strafe“. Eine härtere Strafe könne er sich ohnehin nicht vorstellen, so Başbuğ.

Militärputsche sind in der Geschichte der Türkei keine Seltenheit. Schon dreimal kam es zu diesem Szenario. Die Untergrundorganisation Ergenekon soll einen vierten 2003 geplant haben. Diesen Putschversuch soll Başbuğ unterstützt haben. In den vergangenen Jahren wurden bereits 200 aktive oder ehemalige Mitglieder des Militär verhaftet (auch Journalisten und Schriftsteller wurden verhaftet – mehr dazu hier). Es gibt noch keine Verurteilungen (die Regierung hatte angekündigt, die Prozessdauern verkürzen zu wollen – mehr dazu hier).

Die Festnahme:

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