Arabischer Frühling: Türkei geht als Sieger hervor

Die USA fürchten eine starke schiitische Macht im Nahen Osten. Die Türkei jedoch weitet ihr Einflussgebiet aus und bildet ein Gegengewicht.

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Die New York Times (NYT) befasst sich aktuell mit der Machtverschiebung im Mittleren Osten nach dem arabischen Frühling. Viele rechte amerikanische und israelische Analysten beschreiben, so der Artikel, das geostrategische Ringen im Mittleren Osten als „Kalten Krieg“. (Diesen Ausdruck gebrauchte auch der türkische Außenminister Davutoğlu – mehr hier). Die Analysten warnten vor einem arabischen “schiitischen Halbmond” vom Libanon in den Irak, der sich durch religiöse, wirtschaftliche und geostrategische Beziehungen mit dem Iran verbindet.

Die Verfechter dieser Sichtweise sehen ihre Theorie durch das schiitische Machtspiel des irakischen Ministerpräsidenten Nuri Kamal al-Maliki (Türkei: Glaubenskrieg im Irak verhindert – mehr hier) sowie durch die iranische Vorführung von Raketen und nuklearen Brennstäben untermauert. Ebenso durch die Androhungen, die Meerenge von Hormuz zu sperren, sollte der Export von iranischem Öl gestoppt werden. Diese Vorfälle werden als Beweise für einen iranischen Expansionismus interpretiert, gepaart mit der Sorge, dass der Iran Nuklearwaffen entwickeln wird. Dadurch würden sein derzeitiges Regime und regionale Verbündete unantastbar werden. Allerdings, so die NYT, übersehe diese Sichtweise vor allem die aufsteigende Türkei, welche sowohl den Iran als auch die USA geschickt ausmanövriere.

USA haben Vormachtstellung verloren

Westliche Beobachter hätten schon den Anfang der Ereignisse verpasst, nämlich als die Türkei und der Iran die arabischen Staaten in gewisser Weise unter sich aufgeteilt hätten. Parallel dazu verlor die USA ihre Vormachtstellung in der Region. Heute betrachten nur noch die verbleibenden arabischen Monarchien und Israel die USA als ihren ersten Schutzherren.

Gleichzeitig versetzte aber der Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak die autonome Region Kurdistan in Sorge. Sie fürchtet die Dominanz Bagdads und möchte einen Schutzherrn. Außerdem ist sie beim Export von Öl in den Westen auf ein Bindeglied angewiesen. Die Türkei ist das einzige Land, das beide Rollen erfüllen kann. Das ist auch der Grund, weshalb sich die Region bei Auseinandersetzung der Türkei mit der PKK häufig auf die Seite der Türkei und nicht die ihrer ethnischen Brüder stellte. Auch bei dem Luftangriff, bei dem 35 Menschen ums Leben gekommen waren, verhielt sich die Region verhältnismäßig still.

Kurdischer Irak wird Pufferzone

Auch die Türkei könnte Interesse daran haben, dass sie der kurdische Irak zu einer Pufferzone entwickelt, die auf die Türkei angewiesen ist und sie aber gleichzeitig vor einer Einmischung von Seiten des Iran, Amerikas oder der PKK schützt. Dagegen nimmt im Süden des Irak zurzeit eine völlig entgegengesetzte Entwicklung ihren Lauf. Hier schafft der Iran eine schiitische arabische Pufferzone als Bollwerk gegen türkische, amerikanische oder saudi-arabische Eingriffe. Fest steht, dass Maliki „Irans Mann in Bagdad“ ist. Dennoch fordern bislang weder die Türkei noch der Iran die Einflusssphären des anderen heraus, trotz der „Aufteilung“ des Irak.

Auch in Nord-Afrika haben sich der Iran und die Türkei nach dem arabischen Frühling die islamistischen Bewegungen quasi untereinander aufgeteilt. Während die Türkei die siegreichen „moderaten“ Islamisten von Tunesien bis Ägypten unterstützen, unterstützt der Iran die Salafisten, auch wenn diese Sunniten sind. Allerdings haben bei den Wahlen in Ägypten und Tunesien sowie im Kampf zwischen den Milizen in Libyen, beide islamistische Flügel einander gegen die vom Westen unterstützen Säkularisten und Neo-Liberale unterstützt.

Da es in Nordafrika keine einheimische schiitische Bevölkerung gibt und die „moderaten“ Islamisten als Hauptspieler der Region hervorgegangen sind, wird die Türkei, gemeinsam mit Katar, die aufsteigende politische Macht und der Finanzpatron in Nordafrika sein, vermutet die NYT.

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