Kirche der Raubkopierer: Filesharing als neue Religion

Das Königreich Schweden ist offiziell um eine Religion reicher. Anhänger der Gruppe der Informations-Verbreiter wurden nach dem dritten Anlauf offiziell als Glaubensgemeinschaft anerkannt. Doch legalisiert wird die Piraterie dadurch sicherlich nicht.

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In dem nordeuropäischen Staat, in dem über 70 Prozent der Bevölkerung der evangelischen-lutherischen Schwedischen Kirche angehören, hat das Parlament die „Kirche der Kopisten“ als offizielle Religion anerkannt.
Das schwedische Parlament hat nach Aussagen der Gruppe, die Kirche der Kopisten als religiöse Organisation kurz vor Weihnachten registriert. Drei Mal hatten sie bereits einen Antrag eingereicht, so Gustav Nipe, Vorsitzender der Organisation.

Im Zentrum der neuen Lehre steht das Recht, Daten auszutauschen, das sogenannte File-sharing. Die Kirche der Kopisten ist der Überzeugung, dass das „kopyacting“, also der Austausch von Informationen durch Kopie einem religiösen Dienst gleicht. Der „geistliche Führer“ der Kirche bezeichnete die Anerkennung als „großen Schritt“, so die BBC.

Kritiker jedoch bemängeln, die Kirche tue nichts dagegen, dass weltweit gegen Piraterie vorgegangen wird.

Die Organisation, für die CTRL+C und CTRL+V (Die Abkürzungen für Copy und Paste) religiöse Symbole sind, setzen sich nicht direkt für die illegale Verbreitung von Daten ein. Vielmehr stehen sie für eine offene Verteilung von Wissen an alle.

Informationen sind heilig

Religionsgründer ist der 19-jährige Philosophie-Student Isak Gerson. Er ist auch religiöses Oberhaupt. Als nächstes hofft, er, dass das „file-sharing“ unter religiösen Schutz gestellt wird.
„Für die Kirche der Kopisten sind Informationen heilig. Sie zu verbreiten ist ein Sakrament. Informationen sind an sich wertvoll und durch die Verbreitung wird ihr Wert vermehrt. Daher ist die Verbreitung zentral für die Organisation und ihre Mitglieder“, zitiert ihn die BBC. Er hofft, dass die Mitglieder der Gruppe eines Tages ihre Religion frei leben können ohne Angst vor Verfolgung zu haben, so Gerson.

Seitdem bekannt ist, dass die Organisation offiziell als Religion anerkannt wurde, ist die Webseite der Organisation außer Betrieb. Nur eine Nachricht vertröstet potentielle neue Mitglieder auf einen erneuten Besuch in ein paar Tagen, „wenn sich der Sturm gelegt hat“.

Dass durch die Anerkennung der Gruppe das File-Sharing legal wird, glaubt der Musik-Experte Mark Mulligan nicht. „In gewisser Weise erscheinen diese Leute veraltet. Das File-Sharing als Mittel, um Inhalt durch Raubkopien zu verbreiten, ist die Technologie von gestern“.

Null-Toleranz-Politik gegenüber Piraten

Die Gründung der Kirche erscheint vor dem Hintergrund der Null-Toleranz-Politik der Regierung gegenüber Piraterie. Während früher einzelne Piraten versucht wurden zu enttarnen, liegt der Fokus seit ein paar Jahren auf dem Ökosystem, das die Piraterie unterstützt.

In den USA hingegen hindert das SOPA (Stop Online Piracy Act) -Gesetz Online-Werbefirmen daran, Geschäfte mit ausländischen Webseiten zu betreiben, von denen man annimmt, dass sie es erleichtern, die Copyright-Bestimmungen zu umgehen. Auch können Suchmaschinen so eingestellt werden, dass sie Seiten umgehen, von denen man meint, dass sie die Copyright-Bestimmunen verletzen. Trotz erheblicher Kritik, lässt die Regierung nicht von dem umstrittenen Gesetz ab.

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