Genozid-Gesetz: Türken wollen französische Webseiten hacken

Die Aufregung rund um das französische Genozid-Gesetz geht in eine neue Runde. Nun drohen türkische Hacker mit einer Flut von Cyberattacken gegen französische Webseiten, sollte der Senat das Gesetz, das die Leugnung des Völkermords an den Armeniern verbietet, billigen.

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Im türkisch-französischen Konflikt um das im vergangenen Dezember vom französischen Parlament verabschiedete Gesetz (41 Abgeordnete stimmten am 22. Dezember dafür, eine Völkermord-Leugnung mit einer Freiheitsstrafe und einem Bußgeld von 45.000 Euro zu belegen – mehr hier) waren türkische Hacker schon einmal aktiv geworden.

Im Zuge des politischen Säbelrasselns (der türkische Botschafter wurde aus Paris abgezogen, die Türkei sprach Sanktionen aus, worauf hin der Austritt der Türkei aus der Minks-Gruppe gefordert wurde – mehr hier, hier und hier), legten sie Dutzende von Internetpräsenzen, unter anderem die Webseite von Valérie Boyer, kurzzeitig lahm (die französische Politikerin, die den Gesetzes-Entwurf einbrachte, erhielt sogar Morddrohungen – mehr hier).

AyYildiz-Sprecher droht weitere Cyberattacken an

Einige der Attacken werden der AyYildiz-Gruppe, die von sich selbst sagt, für die Rechte der Türkei zu kämpfen, zugeschrieben. „AyYildiz hat nichts gegen die Franzosen“, so Ishak Telli, ein Sprecher der Gruppe gegenüber dem „Daily Star“. „Doch wenn das so weiter geht, wird es viele weitere Attacken von verschiedenen Gruppen geben.“

Nachdem das französische Parlament am 22. Dezember abgestimmt hat, muss nun Ende Januar noch der Senat über das Genozid-Gesetz entscheiden. Wenn es dort verabschiedet wird, dann könnte jede Leugnung eines Völkermords an den Armeniern in den Jahren 1915  bis 1917 mit einer Gefängnisstrafe belegt werden.

Cyberattacken könnten Schäden in Millionenhöhe verursachen

Laut Ishak Telli könnten die Attacken der Cyber-Aktivisten Schäden in Millionenhöhe verursachen. Treffen könnte es zum Beispiel Seiten von Banken oder Unternehmen, auch die Internetpräsenzen der Regierung seien nicht ausgenommen. Das AyYildiz Team hätte die Möglichkeiten hierzu.

Für die Attacke auf die Seite von Valérie Boyer und die des französisch-armenischen Politikers Patrick Devedjian soll übrigens eine andere türkische Hacker-Organisation namens Akincilar verantwortlich gewesen sein. Solche Gesetzgeber täten besser daran, „die osmanischen Geschichte zu studieren“, warnte die Gruppe in einem Video, das sie an eine Nachrichtenagentur versandte. „Unser Ziel ist es die Arroganz Frankreichs aufzuzeigen, wenn es in seinem Parlament über Angelegenheiten anderer Länder entscheiden lässt.“

Doppelmoral der türkischen Gesetzeshüter

Das Hacken von Webseiten ist in der Türkei illegal und wird mit Gefängis bestraft. Die Täter sind jedoch der Überzeugung, dass derartige Cyberattacken auf Seiten, die den türkischen Glauben und die türkische Moral angreifen, kein Verbrechen sei. Keiner dieser nationalistischen Hacker, so weiß auch Ozgur Uckan von der Istanbuler Bilgi Universität zu berichten, wurde dafür zur Rechenschaft gezogen. „Diese Art von Hacking wird nicht wirklich bestraft“, so Uckan. „Falls jedoch türkische Regierungsseiten angegriffen würden, dann würde die Polizei alles in ihrer Macht stehende tun. Es ist eine Doppelmoral.“

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