Assads Visionen: Syriens Präsident träumt von Versöhnung mit Türkei

"Wir sind doch Brüder", erklärt Syriens Präsident Bashar al-Assad. Ob das ein Hilferuf in einer Zeit, in der sich die Schlinge um das al-Assad-Regime immer enger zuzieht, sein soll? Er jedenfalls glaubt, dass die eisige Stimmung zwischen seiner Heimat und der Türkei nur eine Sache auf Zeit sei. Das Blutvergießen geht unterdessen unvermindert weiter.

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Weltweit steht Syriens Machthaber Bashar al-Assad in der Kritik. Seit fast einem Jahr lässt er die Unruhen in seinem Land blutig niederschlagen. Tausende haben bereits ihr Leben verloren. Die Türkei zog ihre Konsequenzen. Nach mehreren Verwarnungen wandte sich der einstig freundlich gesonnene Nachbar schließlich ab. Ob sich die Türkei sobald auf eine Versöhnung einlässt? Wohl kaum. Doch Al-Assad ist überzeugt: Die Spannungen zwischen den beiden Ländern müssen überwunden und die „brüderlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern“ gerettet werden.

Türkei und Syrien  – eine tiefe Verbindung?

Während eines Treffens mit dem Chef der türkischen Glückseligkeitspartei (Saadet Partisi, SP), Mustafa Kamalak, in Damaskus betonte der syrische Präsident, dass es durchaus einige Verfehlungen beider Länder im Zuge des syrischen Reformprozesses gegeben habe. „Das Wichtigste ist“, so al-Assad jetzt, „diesen Prozess mit minimaler Schädigung der bilateralen Beziehungen zu überwinden.“

Der Präsident verwies in diesem Zusammenhang auf den Aufbau der türkisch-syrischen Beziehungen seit dem Jahr 2000. Die zwei Nationen, so al-Assad, hätten keine Probleme miteinander. „Wir sind doch Brüder“, stellte er in der 40 Minuten dauernden Zusammenkunft heraus. „Wir haben die Geschichte eines Jahrzehnts verändert.“ Gegenüber dem türkischen Politiker versicherte er, dass die Reformprozesse in seinem Land weiter voranschreiten würden, obwohl sie sich manchmal als schwierig erwiesen hätten.

Al-Assad: Türkei und Syrien sollten an einem Strang ziehen

Er kündigte an, dass Syrien im Februar eine neue Verfassung erhalten werde. Er behauptete auch, dass die Opposition und ihre Anhänger kein wahres Interesse an Reformen hätten. „Sie haben unterschiedliche Agenden.“ Im Gegensatz dazu lobte al-Assad die türkische Nation als „gütig“ und gestand auch, dass er Schwierigkeiten hatte, die Position der türkischen Regierung zu verstehen. Nichtsdestotrotz sei er zuversichtlich, dass die beiden Länder diese Krise überwinden werden. „Wir wohnen im gleichen Haus. Falls in einem Raum ein Feuer ausbricht, wird es sich auf die anderen ausbreiten. Deshalb müssen wir dieses Feuer gemeinsam löschen.“

Nicht nur der syrische Präsident hofft offenbar auf eine Versöhnung mit der Türkei. Seinem Wunsch schlossen sich auch einige hochrangige syrische Politiker wie die syrische Vize-Präsidentin Najah al-Attar des Landes an. Der Wunsch, möglichst bald zurück zur Normalität zu kehren, wächst. Gemeinsam wolle man mit der türkischen Regierung daran arbeiten, Reformen in Syrien zu implementieren. Gegen die Äußerungen des türkischen Premiers Erdogan in Richtung al-Assad im vergangenen November hege man keinen Groll.

Unterdessen ist die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den türkischen Flüchtlingslagern in Hatay in den vergangenen anderthalb Monaten erneut von 7,500 auf 9,200 Hilfesuchende gestiegen. In Kilis wurden zudem neue Container aufgestellt. Sie bieten Platz für 10.000 Flüchtlinge. Das teilte das türkische Außenministerium mit. Nun warten die syrischen Flüchtlinge darauf in den nächsten zwei Monaten nach Kilis verlegt zu werden. Das Ministerium jedenfalls will „für den Fall, dass der Flüchtlingsstrom weiter anhält“ vorbereitet sein.

Syrische Regierung droht nach Anschlag mit Vergeltung

In Syrien selbst kann trotz der Assad’schen Visionen hinsichtlich einer Versöhnung mit der Türkei nicht von einer Entspannung der Lage die Rede sein. Erst am vergangenen Freitag kam es in der Hauptstadt zu einem erneuten Terroranschlag im Viertel Al-Midan, der Hochburg der Protestbewegung. 26 Menschen wurden getötet, 63 verletzt. Nun droht das Regime mit „eiserner Faust zurückschlagen“. Ein ähnliches Attentat mit 40 Toten gab es erst vor zwei Wochen. Kurz nachdem Innenminister Mohammed Ibrahim al-Schaar Vergeltung androhte, sollen syrische Sicherheitstruppen auf Demonstranten in zwei Sitzblockaden in Sarakeb und Homs geschossen haben.

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