Türkischer Zentralbankchef: Wer 2012 in Lira investiert gewinnt sicher!

Der Chef der türkischen Zentralbank, Erdem Başçı, stellt sich in seiner jüngsten Erklärung hinter die türkische Lira. Seiner Meinung nach werde diese 2012 zu den am stärksten aufsteigenden Währungen gehören. Auch für ausländische Investoren, die auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" sind, sei das Land zunehmend attraktiv. Ein Wunschtraum?

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Zentralbankchef Erdem Başçı ist sich sicher: Im Jahr 2012 wird die türkische Lira zu den am meisten geschätzten Währungen der Welt gehören. „Diejenigen, die in Lira investieren“, so Başçı auf einer Konferenz in Bursa, „werden immer gewinnen.“ Dafür werde die Zentralbank Sorge tragen. Diese nutzt nun bereits seit längerem den Verkauf von Dollar-Reserven, um die eigene Währung zu stützten. Diese Taktik werde, laut Başçı, auch in Zukunft als „starkes und defensives Instrument der Geldpolitik“ beibehalten.

Bisher hat die türkische Zentralbank in insgesamt drei Auktionen und einem Direktverkauf am 6. Januar 200 Millionen US-Dollar veräußert. Darüber hinaus bietet die Bank bei regulären Auktionen rund 1,35 Milliarden US-Dollar an. Auch auf den Devisenmarkt wird mit direkten, nicht deklarierten Dollarverkäufen Einfluss genommen. An vier aufeinanderfolgenden Börsentagen veräußerte die Bank seit dem 30. Dezember 2011, nach Schätzungen von Handelsexperten, gut 3,7 Milliarden US-Dollar (Am 30. 12.11 hat die türkische Zentralbank US-Dollar im Wert von rund drei Milliarden verkauft, am 2.1.12 abermals zwischen 500 und 650 Millionen US-Dollar, eine Stabilisierung trat jedoch nicht ein – mehr hier).

Türkische Zentralbank will Inflationsrate drücken

Der Wert der Lira brach im vergangenen Jahr um rund 18 Prozent ein. Eine Wertminderung ausgelöst und gebilligt durch die Zentralbank selbst, allerdings nur so lange wie sie die Inflationsrate nicht nach oben drückt, so Başçı.

Die Inflation in der Türkei wird im Jahr 2012 bei etwa fünf Prozent liegen. So zumindest das offizielle Ziel. Gleichzeitig, so die Prio Nummer eins der Zentralbank, solle sie, laut Başçı, der sich damit gegen die verbreitete Meinung der Analysten stellt, dass das überhaupt möglich wäre, weiter nach unten gedrückt werden. Der Zentralbankchef ist überzeugt, dass die türkische Wirtschaft von einer Überhitzung weit entfernt sei. Die eigene Politik das Leistungsbilanzdefizit des Landes zu senken bezeichnete er als „erfolgreich“. Falls die Kredit-Steigerungsraten in diesem Jahr bei zehn Prozent lägen, dann bestünde seiner Ansicht nach kein Risiko. „Geld sucht nach sicheren Häfen“, so Başçı. Und diese Zahl würde immer weiter abnehmen.

Analysten skeptisch über Maßnahmen der Zentralbank

Başçı mag jedoch zu optimistisch sein. Von außen betrachtet, zeigt sich die Situation nämlich deutlich weniger rosig. Die türkische Lira hat 2011 im Vergleich zum Euro ganze 19 Prozent an Wert verloren, gegenüber dem US-Dollar sogar um 22 Prozent. Die Interventionen der türkischen Zentralbank verpuffen ergebnislos. Nun warnen Analysten. „Die Zentralbank bereitet sich schon auf einen weiteren Anstieg des Dollars gegenüber der Lira vor“, so der Ökonom Emre Alkin, der bald mit einem Kurs von zwei Lira für einen US-Dollar rechnet. „Sollte der Dollarwert auf über 2,1 Lira steigen, dann hätte das katastrophale Auswirkungen auf die Wirtschaft.“ Ähnlich beurteilt auch Serkan Gönençler, ein Volkswirt der Arma Portfolio, die Situation gegenüber der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“: „Die derzeitige Politik lässt offen, wie die nächsten Schritte aussehen werden und lässt nicht viel Handlungsspielraum, denn die Reserven sind irgendwann aufgebraucht.“ Diese betragen nach den bisherigen Maßnahmen nur noch rund 88,2 Milliarden US-Dollar.

Doch nicht nur die Experten zeigen sich besorgt. Auch die DTN-Leser melden sich zahlreich unter anderem auf Facebook zum Thema zu Wort. Dort sind viele ebenfalls skeptisch, ob die derzeitigen Maßnahmen wirklich fruchten. So fragt sich ein Leser: „Schon mal darüber nachgedacht, warum die türkischen Exportstatistiken in den letzten Jahren rosiger ausschauen, als sie tatsaechlich sind? Na?“, während ein weiterer Kommentator die Angelegenheit noch düsterer sieht und prognostiziert: „Das tuerkische ‚Wirtschaftswunder‘ wird 2012 wie eine Seifenblase platzen.“

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