Genozid: Missbraucht die Türkei Algeriens Geschichte?

Erdoğans Äußerung, Frankreich habe einen Genozid an den Algeriern verübt, hat in Algerien heftige Diskussionen ausgelöst. Die algerische Tragödie soll nicht zum Instrument der türkischen Politik gemacht werden, sagen die einen. Sich auf die Seite von Frankreich zu stellen, ist ein Zeichen der Feigheit, die anderen.

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Erdoğans wiederholte Aussage, Frankreich solle sich mit seinem eigenen Genozid an den Algeriern befassen, hat in Algerien unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

„Die Freunde in der Türkei sollen damit aufhören, die Kolonisierung von Algerien zu vermarkten“. Das teilte der algerische Ministerpräsident Ahmet Ouyahia in einer Pressekundgebung mit. „Niemand hat das Recht, sich an dem Blut der Algerier zu bereichern“, zitiert ihn die Tageszeitung Radikal.

Nachdem das französische Parlament den Gesetzesvorschlag angenommen hatte, welcher unter anderem vorsieht, die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe zu stellen, war die Türkei zu Gegenoffensive übergegangen. Ministerpräsident Tayyip Erdoğan hatte immer wieder betont, dass Frankreich in der 132 Jahre währenden Kolonisationszeit „Genozid” an den Algeriern betrieben hätte.

Die Haltung Ouyahia ist allerdings auch in Algerien umstritten. Der Führer der Oppositionspartei Ennahda, Fatah Rabiai, äußerte, sie stünden bei ihren Aussagen zu dem Massaker an den Algerien durch die Franzosen hinter der Türkei. Dabei kritisierte er den algerischen Ministerpräsidenten, der vorher gesagt hatte, die Türkei solle aufhören, aus der französischen Kolonialzeit politisches Kapital schlagen zu wollen.

„Ich frage mich, warum die Leute, die etwas gegen die Türkei sagen, keinen Mut haben, etwas gegen Frankreich zu sagen“, zitiert ihn die Tageszeitung Hürriyet. Immerhin hätte die Aussage des türkischen Ministerpräsidenten nicht dazu geführt, dass sich die Türkei in die inneren Angelegenheiten Algeriens eingemischt oder versucht hätte, politisches Kapital aus der Geschichte zu schlagen.

„Die Türkei hat dem algerischen Volk gegen Frankreich beigestanden“, so Ribiai. Er fügte hinzu, sie würden die Türkei unterstützen so lange bis Frankreich zugibt, Massaker in Algerien durchgeführt zu haben und sich offiziell dafür entschuldigt.
Außerdem sagte Ribiai, dass Algerien sicherlich von Spanien annektiert worden und katholisch geworden wäre, wären seinerzeit die Osmanen nicht dort gewesen.

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