Die neuen „Gastarbeiter“ in der Türkei sind die Griechen

Griechenland hat mit der Finanzkrise schwer zu schaffen. Anlaufpunkt für zahlreiche Arbeitslose ist neuerdings vor allem Istanbul. Unter den Auswanderern sind zudem viele „Rückkehrer“, die die Türkei vor einigen Jahren verlassen mussten.

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Der Kampf der Regierung gegen den Staatsbankrott bedeutet für die Bürger des Landes immer neue Sparmaßnahmen. Die Arbeitslosigkeit ist auf ein Rekordhoch von 17,5 Prozent gestiegen. Nach Angaben der Weltbank-Statistik „The Migration and Remittances Factbook 2011“ wollten im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Griechen ihr Glück im Ausland versuchen (die Wirtschaftskrise treibt die Griechen in die Türkei – mehr hier). Einer der beliebtesten Ziele ist dabei, den politischen Meinungsverschiedenheiten zum Trotz, die Türkei (Türkische Agenten sollen griechische Waldbrände verursacht haben – mehr dazu hier und hier).

Der Assisstenz-Professor Dimitris Triantaphyllou ist vor einem Jahr ausgewandert und lehrt nun an der Kadir Has Universität in Istanbul. Er sagt, nicht nur alleinstehende Griechen verlassen ihre Heimat. Die unsichere finanzielle Lage, veranlasse auch immer mehr Familien dazu, auszuwandern. „Das passiert immer in schweren Zeiten, wie es bei der Migration im Zweiten Weltkrieg der Fall war.“ Die Beziehung zwischen Griechenland und der Türkei verbessere sich ohnehin seit mehreren Jahren. Politisch und wirtschaftlich gebe es enge Verflechtungen.

Der Psychologe Odysseas Voutsinas hat sich erst im vergangenen Monat für ein Leben in Istanbul entschieden. Er ist 1964 in Istanbul geboren, verließ die Türkei aber aufgrund des Zypern-Konflikts. Dieser veranlasste viele Griechischstämmige in den 60ern die Türkei zu verlassen. „Es war hart die Türkei zu verlassen, aber es ist auch hart wieder zurückzukommen. Die Krise in Griechenland ist vielleicht für viele die Chance, wieder zurück nach Istanbul zu kommen“, glaubt Voutsinas. Sowohl die Türken als auch die griechische Community in Istanbul hätten ihn positiv empfangen, betont er.

Istanbuls Immobilienpreise überraschen

Die 25-jährige Fouli Koti ist aus Thessaloniki nach Istanbul gezogen. Ihr Freundeskreis konnte ihr Vorhaben auszuwandern, voll und ganz nachvollziehen. „Ich befürchte mit der griechischen Wirtschaft wird es weiter bergab gehen. Meine Freude haben ebenfalls keine Hoffnung in die Zukunft. Sie wollen auch auswandern“, sagt Koti.

Als ein Freund aus ihrer Kindheit, der in Istanbul lebt, zu sich einlud, habe sie die Entscheidung schnell getroffen. „Ich wollte das Risiko eingehen und stürzte mich in das ‚Türkei-Abenteuer‘, aber jetzt bin ich in mancher Hinsicht enttäuscht.“ Sie habe sich manche Dinge anders vorgestellt. „In Thessaloniki lebte ich in einem der angesagtesten Bezirke und habe 340 Euro für ein großes eigenes Haus gezahlt. Jetzt lebe ich auf der europäischen Seite Istanbuls und zahle dasselbe für einen Raum“ (die Immobilienpreise in Istanbul können es mit London und Paris aufnehmen – mehr dazu hier).

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