Türkei verstärkt wirtschaftlichen Druck auf Syrien und Iran

Eine schnellere Fertigstellung der Hafenanlage von İskenderun, um Syrien zu umschiffen. Keine Finanzierungshilfen für den Ankauf iranischen Öls durch Indien: Die Türkei macht sich zusehends unabhängig von unsicheren Nachbarstaaten.

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Die Nachbarschaftsbeziehungen der Türkei mit Ländern wie Syrien und dem Iran sind angespannt. Das Land versucht nun, Schritt für Schritt mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit von diesen Krisenstaaten zu erreichen.

Türkei öffnet sich Tor zum Mittleren Osten

Der türkische Handelsminister Zafer Çağlayan hatte schon vor ein paar Tagen gesagt, dass die Türkei derzeit Pläne entwickle, um Syrien zu umgehen. Türkische Lastwagen sollen per „Roll-on/Roll-off“-Transport zum Hafen von Alexandria in Ägypten verschifft werden. Nun fordert die türkische Regierung auch eine schnellere Fertigstellung der Hafenanlage von İskenderun, um Syrien leichter umschiffen zu können und der Türkei das Tor zum Mittleren Osten zu öffnen.

Die Hafenanlage hat derzeit noch keine Möglichkeit Container zu verschiffen. Die türkische Regierung habe aber den Wunsch geäußert, die Bauarbeiten zu beschleunigen. Damit sollen die Kapazität des Hafens und damit die regionale Rolle insgesamt gesteigert werden, sagt Serdar Bacaksız, ein Vorstandsmitglied der Limak Holding, der Betreiber des Hafens: „Wir sind uns der strategischen Bedeutung dieses Hafens sehr bewusst. Die Hafenanlage wird nun schon in vier bis sechs Monaten in Betrieb gehen.“ Dabei soll die Hafenkapazität auf 150.000 20-Fuß-Einheiten (TEUs) innerhalb von vier bis sechs Monaten nach Inbetriebnahme anwachsen, in ein paar Jahren sogar auf bis zu 1,3 Millionen 20-Fuß-Einheiten.

Neben Syrien schlägt die Türkei auch einen wirtschaftlichen Unabhängigkeitskurs gegenüber dem Iran ein. So hat Turkiye Halk Bankasi gegenüber indischen Ölraffinerien erklärt, nicht mehr als „Mittelsmann“ für iranische Ölkäufe zur Verfügung zu stehen. Indiens zweitgrößte, staatliche Ölraffinerie Bharat Petroleum Corp. (BPCL) wollte den Einkauf iranischen Rohöls eigentlich durch Vermittler bei der Halk Bank in Ankara bezahlen. Dieses Vorhaben wurde nun von der Türkei gestoppt.

Rückzug der Türkei: Indien hat keinen „Plan B“

Am Montag hatten sich türkische Raffinierie-Manager mit Vertretern des indischen Ölministeriums getroffen um über mögliche Alternativen zu sprechen. Diskutiert wurde eine Umleitung über Russland oder sogar ein gesamter Importstopp iranischen Öls. Dieser Rückzug der Türkei bringe nun aber Indien in Schwierigkeiten, sagt Praveen Kumar von FACTS Global Energy in Singapore: „Indien scheint derzeit keinen Plan B zu haben“, und immer weniger Länder zeigen sich aufgrund der internationalen Sanktionen gegenüber dem Iran bereit, Geldströme in den Iran zu übernehmen.

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