Financial Times: Türkei erschwert Gas-Projekt Nabucco

Das ambitionierte Pipeline-Projekt Nabucco wird durch das Konkurrenz-Projekt der Türkei und Aserbeidschans, Tanap, herausgefordert. Um die Gaslieferung aus Russland zu umgehen, wetteifern Firmen um die beste Versorgungsroute. Zur Debatte steht nun eine kleinere Form des ursprünglichen Mammutprojekts, die "Nabucco-West".

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Bei der neuen Gasversorgungsroute soll Russland außen vor gelassen werden. (Foto: Flickr/pimgmx)

Bei der neuen Gasversorgungsroute soll Russland außen vor gelassen werden. (Foto: Flickr/pimgmx)

Es sollte das ambitionierteste Infrastruktur-Projekt Europas werden: Die Nabucco Gas-Pipeline, die Europa mit dem kaspischen Erdgasvorkommen und eventuell auch mit dem iranischen, ägyptischen und irakischen verbinden soll. Doch nun fordern die Türkei und Aserbaidschan das Projekt heraus, denn bei der besten Transportroute spalten sich die Geister. Das Konsortium unter der Leitung von BP spielt nun mit dem Gedanken, das Projekt Nabucco zu verkleinern.

Ein Problem jedoch stellt bislang die Finanzierung des acht Milliarden Euro schweren Projekts dar. Noch haben die Investoren, darunter RWE aus Deutschland und OMV aus Österreich keinen Liefervertrag unterzeichnet. Kritiker bezweifeln, ob es überhaupt genug Gas geben wird, um die Pipeline zu füllen. „Investoren möchten natürlich einen Vertrag sehen, in dem sich Aserbeidschan, der Irak und die Türkei dazu verpflichten, Gas zu liefern“, zitiert die Financial Times Elio Ruggeri, den Vorsitzenden des Konkurrenz-Projekts Interconnector Türkei-Griechenland, Italien (ITGI).

In das Erdgasfeld im Kaspischen Meer investiert das Konsortion aus BP, Statoil, Total und der aserbeidschanischen staatlichen Energiegesellschaft SOCAR bis zu 22 Milliarden Euro, um eine zweite Phase des Felds zu entwickeln, das ab 2017 16 Milliarden Kubik Meter an Gas hervorbringen soll. Davon werden sechs Milliarden Kubik Meter an die Türkei gehen, der Rest hingegen nach Europa. Nabucco hätte eine anfängliche Überkapazität von 31 Kubikmeter.

„Bis 2020 wird Europa kein zusätzliches Gas brauchen, so dass ein mittelgroßes Projekt auch ausreichen wird, um Europa und den Balkan zu versorgen“, so Ruggeri.

Nabuccos Konkurrenten

Doch noch weitere Pipeline-Projekte konkurrieren miteinander um das lukrative Geschäft: So Interconnector Türkei-Griechenland, Italien (ITGI) und die Trans-Adriatic Pipeline (TAB). Unter diesen Projekten sollten BP und Partner bis 2011 eine auswählen mit dem Bau beauftragen, allerdings wurde die Entscheidung auf das erste Quartal dieses Jahres verschoben. Doch in den letzten Monaten ist ein neuer Konkurrent dazu gekommen: Das Pipeline-Projekt von der Türkei und Aserbeidschan, Tanap. Hierbei soll die Pipeline vom Osten der Türkei von ihrer Grenze zu Aserbaidschan nach Westen zu ihrer Grenze mit Bulgarien verlaufen. Damit würde es einen wichtigen Teil der geplanten Nabucco-Pipeline abdecken. Unterstützt wird das Projekt von den USA. (Die Türkei hatte Ägypten zu einer gemeinsamen Kooperation im Energiesektor gedrängt, mehr hier. Den Iran will die Türkei wegen zu hoher Gaspreise verklagen, mehr hier )

Auch BP haben ein eigenes Projekt vorgestellt: die Süd-Ost-Pipeline, die im Westen der Türkei beginnt, durch Bulgarien und Rumänien bis nach Ungarn verläuft.

Nabucco ist bei all den Konkurrenten jedoch noch im Rennen. „Nabucco ist die beste Basis für einen Kompromiss, der alle Interesse unter einen Hut bringen würde“, so Stefan Judisch, Vorstandsvorsitzender der RWE. Das Projekt Tanap hätte jedoch „eine neue Situation“ geschaffen.

“Nabucco-West”

Nun scheint es neue Pläne zu geben, nach denen eine kleinere Version von Nabucco, die Nabucco West“-Pipeline im Gespräch ist, die eine Erweiterung von Tanap wäre und 60 Prozent weniger kosten würde als das ursprüngliche Projekt.

Benannt nach der Oper von Verdi wurde das Nabucco-Projekt erstmals vor zehn Jahren diskutiert, um der Abhängigkeit Europas von russischem Gas entgegenzuwirken und stattdessen Gas aus dem Kaspischen Becken über einen südlichen Korridor nach Europa zu holen.

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