Türkischer Verleger und Menschenrechtler Ragıp Zarakolu für Nobelpreis nominiert

Mit der Nominierung des Menschenrechtlers für den Friedensnobelpreis setzen die schwedischen Abgeordneten ein Zeichen. Es bleibt zu hoffen, dass das die Jury des Nobelkomittees genauso sieht. Damit würde es auf die verheerende Lage der Menschenrechte in der Türkei aufmerksam machen.

Die Abgeordneten der Linkspartei in Schweden Amineh Kakabaveh, Jens Holm, Bengt Berg, Siv Homa, Marianne Berg sowie Jan Holm von den Grünen und Valter Mutt von der Zentrumspartei haben den inhaftierten Verleger Zarakolu für den Friedensnobelpreis 2012 vorgeschlagen.

In ihrer Erklärung an das Nobelpreis-Komittee betonen sie, dass Zarakolu ein weltweit bekanntes Symbol der Meinungs- und Pressefreiheit und ein Vertreter der Menschenrechte ist. Ebenso erinnern sie daran, dass er für sein Engagement bereits viele Preise erhalten hat. Er und seine Frau haben Bücher zu in der Türkei tabuisierten Themen wie dem armenischen Völkermord, die Kurdenproblematik, Atatürks Beziehung zum Islam herausgegeben und wurden deswegen inhaftiert (so wie viele Journalisten, die Tabuthemen ansprechen, weshalb die Türkei im internationalen Ranking der Pressefreiheit einen der letzten Plätze belegt – mehr hier). Trotz allem mache Zarakolu mit seiner Arbeit weiter und verteidige die Meinungsfreiheit sowie die Annäherung verschiedener Kulturen, so heißt es in der Begründung weiter.

„Sollte irgendwann einmal in der Türkei ein Kommission für das Recht und die Annäherung gegründet werden, sollte Zarakolu ihr Vorsitzender sein“, so die Empfehlung der Abgeordneten die Regierung hat entschieden, einen „Aktionsplan zur Meinungsfreiheit“ auszuarbeiten – mehr hier). Auch der Europarat fordert Reformen von der Türkei anstatt leerer Worthülsen (mehr hier).

Unterstützung erfährt der mehrmals angeklagte und verurteilte Verleger unter anderem von seinem Kollegen, dem in Deutschland lebenden Schriftsteller, Doğan Akhanlı: „Er ist ein Herausgeber, der es verdient hat, den Nobelpreis zu bekommen und nicht im Gefängnis zu sitzen“.

Besonders aufgrund der von ihm verlegten Bücher zu Minderheiten und Menschenrechten war er angeklagt und zum Teil auch verurteilt worden (das Thema Minderheiten birgt noch immer viel Streitpotential in sich, so beispielweise die Forderung von jüdischen Türken als gleichgestellte Bürger akzeptiert zu werden – mehr hier). Zuletzt war er im Zuge der KCK-Operationen festgenommen worden.

1998 und 2008 hatte er den Preis der Internationalen Herausgeber Vereinigung, 1995 und 2007 den Preis der Vereinigung der Türkischen Herausgeber, 2003 den Preis des norwegischen Kulturministeriums und 2010 den Preis der Nationalbibliothek erhalten.

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