Familie von Neonazi-Opfern möchte Gerechtigkeit, kein „Schweigegeld“

10.000 Euro sieht die Bundesregierung jeweils für die Familien der Opfer der NSU-Morde vor. Für die Angehörigen der Opfer ist das ein Schlag ins Gesicht. Sie empfinden das Geldangebot als blanken Hohn. Sie wollen Aufklärung.

Die Familie eine Besitzers eines Döner-Ladens, der von Neonazi-Mördern umgebracht worden war, sagte, dass die 10.000 Euro Schmerzensgeld, die von der deutschen Regierung an die Familien der Opfer bezahlt werden sollen, eine Beleidigung seien. Sie sagte, sie wolle kein Geld, sondern Gerechtigkeit. (Bundestagspräsidente Lammert hatte sich bei den Opfern entschuldigt, mehr hier)

„Das Geld ist ganz klar eine Beleidigung. Wir wollen nicht diese lächerliche Summe an Schweigegeld. Wir wollen Gerechtigkeit“, zitiert die Tageszeitung Zaman den Bruder des ermordeten İsmail Yaşar, İbrahim Yaşar. Sein Bruder war 2005 in seinem Döner-Geschäft umgebracht worden. İbrahim Yaşar, der in südostanatolischen Stadt Şanlıurfa lebt, sagte, die Verbindungen der Neonazi-Szene zum Verfassungsschutz hätten ihren Schmerz noch verstärkt. (Die Behörden kannten und beobachteten die Zwickauer-Zelle bereits seit 1998, mehr hier)

Anstatt die Sache aufzuklären, würde die deutsche Regierung absurde Statements abgeben mit dem Versuch, die Familien zu trösten. Der Neffe des Opfers, Murat Yaşar hingegen sagte, die deutsche Behörden hätten Jahre lang die Familie in die Iree geführt, bevor die Verbindung zur Neonazi-Szene aufgedeckt wurde. Jahrelang hatte die Familie in dem Glauben gelebt, İsmail Yaşar sei von der Drogenmafia umgebracht worden. „Jahrelang hat die deutsche Regierung uns mit unrealistischen Mördergeschichten zum Narren gehalten und dieses lächerliche Schmerzensgeld hat uns umso mehr verletzt”.

In den Jahren zwischen 2000 und 2006 waren in Deutschland acht Türkei-Stämmige und ein griechisch-Stämmiger von der Zwickauer NSU-Zelle ermordet worden. Erst im vergangenen Jahr konnten die Fälle aufgedeckt worden. Besonders die Verbindungen der Neonazi-Szene zu Mitgliedern des Verfassungsschutzes hatten für viele Diskussionen gesorgt.

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