Erst Barbie, jetzt die Simpsons: Iran verbannt US-Erfolgsserie

Spiderman ist in Ordnung, Superman ebenso: Beide, so die Ansicht des iranischen Regimes, helfen den Unterdrückten. Bei den kultigen gelben Figuren von Matt Groening sieht die Sache allerdings anders aus. Wenige Tage, nachdem im Iran Spielzeuggeschäfte geschlossen wurden, die Barbie-Puppen verkauften, werden jetzt die Simpsons des Landes verwiesen.

Homer Simpson und seiner Familie geht es im Iran an den Kragen. (Foto:  ☃/flickr)

Homer Simpson und seiner Familie geht es im Iran an den Kragen. (Foto: ☃/flickr)

Sorry, Julian Assange. Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der umstrittene WikiLeaks-Gründer in der 500. Folge der Simpsons zu sehen sein wird (er spielt sich selbst – mehr hier). Die iranischen Fans des Kult-Comics werden das jedoch nicht mehr ausgelassen feiern können.

Bart und seine Familie reihen sich ab sofort ein in eine lange Liste von Spielzeugfiguren, die das Regime verboten hat. Alle Produkte der Serie wurden mit einem Verkaufsverbot belegt. Das Argument des staatlichen Instituts für die intellektuelle Entwicklung von Kindern: Bart, Lisa, Maggie, Homer und Marge hätten einen schlechten Einfluss auf den iranischen Nachwuchs. Auch die Filme seien nicht mehr erwünscht. “Wir wollen diesen Cartoon nicht länger durch den Import des Spielzeugs promoten”, so Ministeriumssprecher Mohammad Hossein Farjoo gegenüber der Tageszeitung “Shargh”.

Spiderman und Superman “helfen den Unterdrückten”

Springfields berühmteste Familie musste sich gegen die iranische Führung geschlagen geben (im türkischen Fernsehen wurde das Wort “gay” zensiert – mehr hier). Seltsamerweise sind die beiden amerikanischen Superhelden Superman und Spiderman aber bisher verschont geblieben. Ihr Verkauf bleibt trotz des Kampfes gegen die „Invasion der westlichen Kultur“ auch weiterhin erlaubt. Denn, so Teheran: sie “helfen den Unterdrückten und haben eine positive Grundhaltung”.

Ende Januar hatte die stolze Barbie bereits das gleiche Schicksal ereilt. Als „Symbol unmoralischer westlicher Kultur“ musste sie sich zwar schon Mitte der 1990er offiziell aus den iranischen Läden zurückziehen – jetzt wurden allerdings weitere Geschäfte geschlossen, die noch immer den Verkaufsschlager aus dem Jahr 1959 bereithielten. Seit Jahren wird versucht mit dem islamischen Geschwisterpaar Sara und Dara einen Gegenentwurf für iranische Mädchen zu etablieren, allerdings ohne großen Erfolg.

Iran begründet Verbot der Simpsons nicht

Das Regime verbietet aber nicht nur die Simpsons und Barbie. Wie Farjoo weiter erläutert, seien jegliche Puppen betroffen, an denen Genitalien erkennbar seien oder überhaupt Erwachsene abbilden würden. Auch verpönt sind Spielzeuge, die Lieder westlicher Künstler abspielen oder Puppenküchen-Sets, die auch Gläser beinhalten, aus denen Alkohol getrunken würde. Was die iranischen Machthaber genau an den Simpsons auszusetzen haben, darüber verlor der Sprecher allerdings kein weiteres Wort.

Seit der Revolution 1979 wird versucht systematisch alle westliche Filme, Musik, Haarschnitte und Kleidung aus dem Iran zu drängen (auch in der Türkei hat man ein Auge auf das, was im TV gezeigt wird – mehr hier). Doch die Jugend findet ihre Wege. Über den Schwarzmarkt folgt sie auch weiterhin der westlichen Kultur. Allein 2011 wurden Spielzeugwaren im Wert von 57 Millionen US-Dollar in den Iran importiert. Man geht jedoch davon aus, dass Waren im Wert von noch einmal 20 Millionen US-Dollar auf illegalem Weg ins Land geschmuggelt wurden. Jeder vierte Einwohner im Iran ist unter 15 Jahre alt.

http://www.youtube.com/watch?v=oLSRpUkq2mA

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