Charles Dickens‘ 200. Geburtstag: Moderne Kids können seine Bücher nicht lesen

Spätestens mit einem Blick auf die Google-Startseite wird es gewahr: der bekannte britische Schriftsteller Charles Dickens wäre an diesem Dienstag 200 Jahre alt geworden. Hinter dem zauberhaften Google Doodle können Literaturfreunde jede Menge über den Schöpfer von "Oliver Twist" erfahren. Ob er heute aber noch die junge Generation erreichen kann, scheint fraglich.

„Erstaunlich aktuell“, so bezeichnen an diesem 7. Februar nicht wenige Redaktionen das Werk von Charles Dickens. Noch immer gingen seine Elends-Beschreibungen des viktorianischen Londons unter die Haut. Die „gute alte Zeit“, sie habe niemals existiert. Schon zu Lebzeiten des Dichters quälten sich die Menschen mit finanziellen Problemen, Immigration, schlechter Bildung und noch schlechteren Wohnbedingungen. Eine offenbar immer wiederkehrende Situation, die spätestens seit den Unruhen im vergangenen Jahr, so präsent wie selten sei (eine deutsch-türkische Augenzeugin schilderte gegenüber DTN, was auf den Straßen vor sich ging – mehr hier).

Kindern fehlt heutzutage die nötige Konzentration

Seine berühmte „Weihnachtsgeschichte“ rund um den hartherzigen Geizkragen Ebenezer Scrooge kennt auch heute noch jedes Kind (eine türkische Autorin darf derweil auf den Hans-Christian-Andersen-Preis hoffen – mehr hier). Ob sie diese allerdings auch wirklich lesen, oder nur im Fernsehen betrachten, darf bezweifelt werden – zumindest, wenn es nach der britischen Schriftstellerin und Dickens-Biographin Claire Tomalin geht. Sie ist der Ansicht, dass Kinder im 21. Jahrhundert die Werke des großen Dichters nicht mehr lesen können. Der Grund: Die Kleinen könnten heutzutage die für Dickens, aber auch für alle anderen längeren Bücher, erforderliche Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht mehr aufbringen.

Für Tomalin, übrigens mit Romanautor Michael Frayn verheiratet, liegt die Wurzel allen Übels in der heutigen Erziehung. „Die Kinder von heute haben eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, da sie durch schreckliche Fernsehprogramme aufgezogen werden“, so die Autorin. Kinder würden heutzutage nicht mehr dazu erzogen, sich länger zu konzentrieren. Um einen Roman von Charles Dickens zu lesen, müsse aber genau diese Fähigkeit vorhanden sein. Dass diese nicht mehr vorhanden sei, empfindet sie als „äußerst schade“.

Charles Dickens ist noch heute „erstaunlich relevant“

Für Claire Tomalin ist klar: Charles Dickens ist nach Shakespeare der größte Schöpfer von Charakteren in englischer Sprache und seine Darstellung einer unfairen Gesellschaft sei noch heute „erstaunlich relevant“ (in der Türkei hingegen scheint allzu offenes Schreiben noch immer mit Gefahren verbunden – mehr hier). „Man muss sich in unserer Gesellschaft nur umsehen und alles, worüber er in den 1840ern schrieb, ist noch heute relevant – die große Kluft zwischen reich und arm, korrupte Finanziers, korrupte Abgeordnete, wie das Land von alten Etoniern gesteuert wird (…) er sprach es aus.“

In Charles Dickens Geburtstort Portsmouth wird ihm an diesem Dienstag unter anderem mit einer Straßenparade gedacht. An der Poets‘ Corner der Westminster Abbey wird zudem ein Kranz für den großen Dichter niedergelegt. Und wer weiß, vielleicht nimmt doch der ein oder andere ein Buch von ihm in die Hand.

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