Türkische „Energiewende”: Weg von Gas hin zu Kohle und Kernkraft

Der steigende Energieverbrauch und die Abhängigkeit von ausländischen Gaslieferungen zwingen die Türkei die Energieversorgung neu aufzustellen. Im Gegensatz zu vielen EU-Staaten setzt das Land dabei auf Kohle und Kernkraft anstatt auf Erneuerbare Energien.

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Während viele EU-Länder die energiepolitische Ausrichtung auf „saubere“ Energieträger umstellen, geht die Türkei einen anderen – und für Schwellenländer nicht unüblichen – Weg: Das staatliche Elektrizitätsversorgungsunternehmen Elektrik Üretim A.Ş. (EUAS) hat diese Woche einen Vorvertrag über den Bau zweier Kohlekraftwerke mit zwei südkoreanischen Firmen unterschrieben. Gleichzeitig treibt EUAS auch zwei weitere Kernkraftwerksprojekte voran.

Die Türkei muss bei hohem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum die Versorgungssicherheit am Energiesektor sicherstellen. 2011 haben die Türken 229,3 Milliarden Kilowattstunden Energie verbraucht. Das war ein Anstieg um 9 % im Vergleich zu 2010, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Alleine im Januar 2012 ist der Elektrizitätsverbrauch im Vergleich zum Vorjahr wieder um 8,6 % auf 21,3 Milliarden Kilowattstunden angestiegen.

Heute werden rund 50 % der türkischen Stromversorgung durch Gaskraft erzeugt. Diesen Anteil möchte die türkische Regierung aber bis 2023 auf 30 % verringern und wird Anreize für kohlebasierte Projekte schaffen. Gleichzeit sollen Erdgasprojekte verringern werden, sagte der türkische Energieminister Taner Yildiz. Damit möchte die Türkei unabhängiger von Gasimporten aus Russland und dem Iran werden, denn derzeit bezieht die Türkei drei Viertel ihres Energiebedarfs aus dem Ausland (und wie die zukünftigen Pipelines verlaufen werden, das ist noch offen – mehr hier)

Die Türkei verhandelt regelmäßig mit Moskau und dem Teheran über die Preisgestaltung der Gaslieferungen und musste auch schon internationale Schiedsgerichte einschalten (mehr dazu hier und hier). Eine geringere Abhängigkeit vom Ausland könnte auch Lieferengpässe wie derzeit aus dem Aserbaidschan verhindern: Aufgrund der niedrigen Temperaturen und damit zusammenhängender technischer Schwierigkeiten kommen anstatt der üblichen 40 Millionen Kubikmeter Gas derzeit nur sechs bis sieben Millionen in der Türkei an.

Mit dem Schritt von Gas hin zu neuen Kohle- und Kernkraftwerken geht die Türkei einen anderen Weg als die EU. Aktuelle Studien zeigen nämlich, dass in der EU mittlerweile 71 % aller neuen Energieversorgungsprojekte auf Erneuerbaren Energien basieren, berichtet die Financial Times.

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