Istanbul will als Finanzplatz New York und London ablösen

Auf 2,5 Millionen Quadratmetern wird in Istanbul eine „türkische Wall Street“ gebaut. Dazu kommen 45 neue Shoppingcenter im gesamten Land. Wer all diese Immobilien mieten oder kaufen soll, das ist angesichts hoher Schulden, weniger Krediten und rückläufigen Verkaufszahlen ungewiss.

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Der türkische Minister für Umwelt und Städtebau, Erdoğan Bayraktar, wird eine „türkische Wall Street“ auf 2,5 Millionen Quadratmetern in Istanbul errichten lassen. „560.000 Quadratmeter werden Büros einnehmen, 90.000 Quadratmeter Einkaufsmöglichkeiten und 70.000 Quadratmeter ist Hotels vorbehalten,“ sagt Bayraktar. Hinzu kämen noch Wohnungen und Dienstleistungseinrichtungen. Der Baubeginn werde „bald“ erfolgen. Gebaut und finanziert wird das Projekt von türkischen Unternehmen in Zusammenarbeit mit ausländischen Investoren, berichtet CNN Türk.

Diese Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der sich das Wachstum der türkischen Baubranche verlangsamt und die Immobilien-Verkaufszahlen rückläufig sind. Gleichzeitig sind die Türken stark verschuldet und die Banken vergeben immer weniger Kredite (mehr dazu hier). Wer also in all diese Büros, Wohnungen und Läden einziehen soll, das ist noch ungewiss.

Noch mehr Trubel: Im Herzen Istanbuls soll ein neues Finanzzentrum entstehen. (Flickr/Alexander Kuznetsov)

Noch mehr Trubel: Im Herzen Istanbuls soll ein neues Finanzzentrum entstehen. (Flickr/Alexander Kuznetsov)

Das „Wall Street“-Projekt ist nämlich bei weitem nicht das einzige Bauvorhaben. Alleine im Jahr 2012 sollen in der Türkei 45 Shoppingcenter eröffnet werden, die zwischen vier und fünf Milliarden US-Dollar kosten. Somit wird die Türkei Ende 2012 auf 340 Shoppingcenter mit einer Einkaufsfläche von insgesamt neun Millionen Quadratmeter kommen, sagt Hakan Kodal, Chef der Bauträger der türkischen Einkaufszentren, in der Zeitung Dunya.

Kein Grund, den Optimismus der türkischen Regierung zu mindern: Das Istanbuler Finanzzentrum werde größer als das in New York, London oder Dubai. „Istanbul bildet seit Jahrhunderten eine Brücke zwischen Ost und West. Nun wird Istanbul wieder das Finanzzentrum der Welt“, sagte Bayraktar.

Bei der Planung habe man sich von der Architektur des Großen Basars (trk. Kapalıçarşı) und des Topkapı-Palastes inspirieren lassen. Die Hürriyet berichtet, im Mittelpunkt des geplanten Finanzzentrums werde eine moderne Kopie des Großen Basars entstehen (dabei müssen die Architekten darauf achten, dass die Skyline von
Istanbul so bleibt wie sie ist – mehr hier).

In ihrer Argumentation geht die türkische Regierung von großer Nachfrage nach Immobilien in Istanbul aus. Denn auf lange Sicht werde sich am Bosporus viel verändern und die großen Banken und Bankenverbände nicht mehr wie bisher ihren Hauptsitz in Ankara haben, sondern alle nach Istanbul siedeln.

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