Davutoğlu: Assad verhält sich wie Milosevic

Assad hat sich einen Kriegsverbrecher zum Vorbild genommen, so der türkische Außenminister Davutoğlu vor amerikanischen Studenten. Seinen Zuhörern mögen seine Worte gefallen haben, doch für eine Imagekorrektur ist es für den syrischen Machthaber längst zu spät.

Die Kritik der türkischen Regierung an dem Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad reißt nicht ab. Nun hat der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu bei einer Rede vor Studenten in Washington einen historischen Vergleich herangezogen, um seiner Meinung über den umstrittenen syrischen Präsidenten Ausdruck zu verleihen: Assad bevorzuge wie Milosevic zu sein anstatt sich Gorbatschow als Vorbild zu nehmen.

„Ja, wir hatten neun Jahre lang ein gutes Verhältnis zu Syrien“, zitiert ihn die Tageszeitung Zaman. Doch damals habe Assad noch nicht gegen seine eigenen Leute gekämpft. „Letztes Jahr wollten wir, dass Assad der Gorbatschow Syriens wird“. Doch dieser hätte bevorzugt, sich das serbische Staatsoberhaupt zum Vorbild zu nehmen, der als erstes Staatsoberhaupt noch während seiner Amtsausübung von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermord angeklagt wurde. (Die Türkei hat derweil ihren wirtschaftlichen Druck auf Syrien verstärkt, mehr hier)

Der letzte sowjetische Staatsmann Gorbatschow hatte hingegen mit seiner Politik des Glasnost und der Perestroika das Ende des Kalten Krieges eingeleitet. 1990 hatte er den Friedensnobelpreis bekommen.

Dass der Bezug zur Geschichte nicht abwegig ist, untermauert der Außenminister mit einem weiteren Argument: Die vertriebenen Diktatoren des Mittleren Ostens wie Hosni Mubarak in Ägypten, Muammar Gaddafi in Libyen und auch Bashar al-Assad seien allesamt Fortsetzungen des Kalten Kriegs, der 1990 zu Ende ging.
Derweil hatte ein weiterer Bombenanschlag auf ein syrisches Militär- und Sicherheitsgebäude in Aleppo heute 25 Menschen getötet.

Wiederholt hatte Davutoğlu darauf hingewiesen, dass die Türkei nicht gleichgültig dabei zusehen könne, wenn ein Massaker in der Region stattfindet, auch wenn alle anderen das täten. (Die Türkei hatte erklärt, ihre Türen stehen allen Flüchtlingen offen, mehr hier)

Der Vergleich wird den amerikanischen Studenten gefallen haben, ist doch Gorbatschow in den USA beliebt. Doch für Assad ist es für eine Imagekorrektur wohl zu spät. Längst hat ihm Erdoğan klar gemacht, es gäbe nur noch eine Sache, die er jetzt noch tun könnte: abdanken.

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