Egemen Bağış über griechischen Grenzzaun: Europa braucht keine Mauern mehr!

Die EU, die Türkei und Menschenrechtsorganisationen sind sich einig: Der Zaun an der türkisch-griechischen Grenze ändert nichts am Flüchtlingansturm. Griechenland zieht das Vorhaben nun allein durch. Praktisch erfüllt der Zaun keine Funktion. Symbolisch sagt er allerdings umso mehr aus.

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Für Egemen Bağış ist der griechische Grenzzaun zur Türkei nichts weiter als ein Zeichen der Trennung zwischen den Ländern der EU und den Ländern außerhalb. Er erklärte dem euobserver: „Es ist nicht die Zeit, über neue Mauern zu diskutieren. Man sollte besser daran arbeiten, neue Brücken zu bilden – zwischen verschiedenen Sichtweisen, verschiedenen Kulturen und verschiedenen Ländern.“

Der Zaun sei allerdings ein Zeichen, dass man diese Brücken nicht bauen wolle und abgeschottet bleiben wolle. Denn eine Verringerung des Flüchtlingsstroms wird durch einen einfachen Zaun sowieso nicht gewährleistet. Die Lage in den Heimatländern vieler Flüchtlinge, darunter in jüngster Zeit verstärkt die Länder des Arabischen Frühlings, ist oft so schlecht, dass diese Menschen bereit sind, alles auf sich zu nehmen (das erklärte auch Pro Asyl den Deutsch Türkischen Nachrichten – mehr hier).

EU: Weltweites Friedensprojekt durch Türkei

Es sei auf jeden Fall ein falsches Zeichen, so Bağış. Die EU bedeutet für ihn viel mehr als eine abgeschottete Gemeinschaft (die Ablehnung gegenüber der Türkei schadet der EU, aber nicht der Türkei – mehr hier). Im Interview mit euronews sagt er: „Für uns ist die EU das größte Friedensprojekt der Menschheit. Wenn wir uns die Geschichte der Mitgliedsländer anschauen, dann sehen wir, dass Völker, die sich jahrhundertelang bekriegt haben, jetzt dank der EU in Frieden zusammenleben.“

Eine „weltweite Dimenson“ erhalte dieses Friedensprojekt allein durch die Türkei. Die EU-Aufnahme ist allerdings nicht für alle Türken ein wichtiges Ziel. Viele sind sich sicher, ohne die EU besser dran zu sein. Besonders die wirtschaftliche Lage bestärkt sie darin. Bağış glaubt jedoch, dass es sich hierbei nur im ein vorübergehendes Problem handelt: „Die Türkei hat auch schon sehr schwierige Zeiten durchgemacht. Wir sind daher sicher, dass die EU stabiler und stärker aus dieser Krise herauskommen wird.“

Bağış: Visumspflicht für Türken abschaffen!

Er kritisiert, dass die EU trotz allem versucht, sich abzuschotten. Griechenland hat zwar keine EU-Unterstützung für den Zaun bekommen, die Angst vor Einwanderern besteht allerdings in der gesamten europäischen Union. „Das erste, was die EU jetzt tun muss, ist die Visumspflicht für türkische Staatsbürger abzuschaffen. Sie ist ungerecht, unlogisch und illegitim. Wenn sie weg ist, können die Türken frei in die Mitgliedsländer der EU reisen. Zur Zeit können sie 65 Länder ohne Visum bereisen. Die Türkei ist Teil der Europäischen Zollunion, 50 Prozent unseres Außenhandels machen wir mit der EU, 60 Prozent der Touristen, die uns besuchen, kommen aus Mitgliedsländern der Union, und trotz alledem können wir uns bedauerlicherweise nicht einfach problemlos in die EU-Länder begeben“, so Bağış weiter.

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