Fußball-Stadien bleiben leer: Ist die Türkei noch eine Fußball-Nation?

In Deutschland werden in der 1. Bundesliga im Durchschnitt 94 % aller Stadionplätze verkauft. In der SüperLig nur zwischen 60 % und 70 %. Hat der Manipulationsskandal die Lust der Türken am Fußball verdorben? Oder sind die Türken keine Fußball-Nation mehr?

Die Auslastung der SüperLig-Stadien liegt nur zwischen 60 und 70 %. Die Heimspiele von Fenerbahçe besuchen im Durchschnitt rund 35.000 Fans, die TT-Arena von Galatasaray lediglich 25.000 Fans. Bei Beşiktaş liegt der Besucher-Schnitt bei 20.000 Fans. Der anatolische Klub Kayserispor hat ein Fassungsvermögen von 32.000 Plätzen, davon sind allerdings – wenn es gut läuft – nur 15.000 Tickets verkauft.

In Deutschland hingegen sind in der 1. Bundesliga im Durchschnitt 94 % aller Stadionplätze verkauft, in der 2. Bundesliga auch noch 50 %. Mit 44.345 Fans pro Spiel wurde in der Hinrunde der 1. Bundesliga sogar ein neuer Rekord erzielt: 6,78 Millionen Zuschauer besuchten 153 Heimspiele in der Hinrunde. Die türkische Auslastung kann also gerade noch mit der 2. Bundesliga mithalten.

Große Fan-Liebe wird schnell zur Hassliebe

Es sieht so aus, als würden die Fangemeinden die Spiele ihrer Mannschaft boykottieren. „Wenn mein Verein gut spielt, dann gehe ich hin, wenn nicht, dann ist es mir das Geld nicht wert“, so einfach sehen viele türkische Fußball-Fans wohl ihre „Liebe“ zur Mannschaft. Unzufriedenheit mit den Ergebnissen kann es geben und wird es geben, doch das Stadion nicht zu füllen, das ist mehr als Unzufriedenheit.

Die Ticketpreise liegen im Durchschnitt, wenn auch die Istanbuler-Vereine etwas höhere Eintrittspreise verlangen. Die ständigen Stadionsperren der TFF kommen zwar Frauen und Kindern zugute (mehr hier), machen die Spiele mittelfristig aber noch unattraktiver.

Klar ist, dass sich die Türken mit ihren Mannschaften identifiziert haben und ihre Farben wie kein anderer lieben. Doch die große Liebe entwickelt sich bei stagnierenden Leistungen schnell zu einer Hassliebe (auch in Deutschland ist das nicht selten, erst am Sonntag stürmten Hertha-Fans nach einer erneuten Niederlage des Klubs das Vereinsgelände – mehr hier). Die Emotionalität und Verbundenheit der Türken zu ihren Vereinen ist weltbekannt, und umso mehr erwartet man als Außenstehender wenigstens gefüllte Stadien. Es wundert daher, dass sich unter auf der Top-30-Liste der meistbesuchtesten Klubs in Europa kein einziger türkischer Verein findet. Angesichts des Manipulationsskandals wäre es von oberster Dringlichkeit, dem Fußball in der Türkei ein neues Gesicht zu geben – eines, das auch schon die Frauen und Kinder in den Stadien gezeigt haben.

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