Lazen und Tscherkessen fordern: Unterricht in Muttersprache soll im Grundgesetz verankert werden

Nachdem der kurdischen Sprache in der Öffentlichkeit mehr Freiräume eingeräumt werden als noch vor ein paar Jahren, fordern auch andere ethnische Minderheiten mehr Anerkennung.

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Auf einer gemeinsamen Konferenz aller ethnischen Gruppen der Türkei formulierten die beiden größten ethnischen Gruppen der Lazen und Tscherkessen Forderungen zum Schutz ihrer Ethnie: So solle das Recht auf Schulbildung in der Muttersprache im Grundgesetz verankert werden. Außerdem soll in Grundschulen der „Eid auf die Nation“ nicht mehr geleistet werden. Auch das Ministerium für religiöse Angelegenheiten soll abgeschafft werden.

Auf der Konferenz der Föderation der Vereine des Kaukasus (KAFFED) und dem Lazischen Kulturverein zum Thema „Schutz und Bewahrung der kulturellen Vielfalt in der Türkei und Verhinderung des Rassismus von fremden Kulturen in der Gesellschaft“ nahmen um 60 Vertreter ethnischer Minderheiten teil. Während Lasen und Tscherkessen die Mehrheit bildeten, waren auch Vertreter der Armenier, assyrischen Christen, Kurden und Zaza anwesend.

Auf der Konferenz wurden verschiedene Probleme der ethnischen Minderheiten und ihre Lösungsmöglichkeiten besprochen. Ein Thema war beispielsweise das Problem der nicht-muslimischen Minderheiten während des osmanischen Reichs, die während des Ersten Weltkriegs und des Befreiungskriegs vertrieben wurden. Sie sollten, so die Forderung der Teilnehmer der Konferenz, das Recht haben, die türkische Staatsbürgerschaft zu bekommen.

Kritik wurde außerdem am Schulsystem geübt: „Das Schulsystem ist autoritär und hat das Ziel, einen einheitlichen Menschen hervorzubringen. Es empfindet Unterschiede als Bedrohung und ist von kultureller und demokratischer Vielfalt weit entfernt“, zitiert der Nachrichtensender ntv das Statement der Versammlungsmitglieder.

Anstatt, dass eine nationale Ideologie durchgesetzt wird, sollte in Schulen auf den Beitrag der ethnischen Minderheiten zur kulturellen Vielfalt der Türkei verwiesen werden.

Die Konferenz hat dieses Jahr zum vierten Mal stattgefunden.

Der in Köln ansässige lasische Verein „Lazebura“ hatte bereits einen Antrag auf die Erteilung des muttersprachlichen Unterrichts und die Gründung eines Instituts für Lasische Sprache und Kultur beim türkischen Kulturministerium gestellt (mehr hier).

Die Forderung der Minderheiten nach mehr Anerkennung geht einher mit der Kritik des internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Diese bemängelt, dass die Menschenrechtsreformen der Türkei nur heiße Luft sind. Ob die Türkei soweit geht und den muttersprachlichen Unterricht im Grundgesetz verankert, ist fraglich. Ist doch die Angst vor einer Spaltung zu groß. Doch würde die Unterstützung der kulturellen Vielfalt den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen der Türkei gerecht werden.

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