Arabischer Frühling: Spürbare Folgen für türkische Exportwirtschaft

Die Umbrüche in Ägypten, Tunesien, Libyen und Syrien blieben 2011 für die Türkei nicht ohne Folgen: In Ägypten und Tunesien konnten die Exportzahlen weiter gesteigert werden. In Libyen und Syrien hingegen sind die Auswirkungen der langen Bürgerkriege bis heute spürbar. Der türkische Exportschlager 2011 war der Irak.

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Der „arabische Frühling“ brauchte die Wirtschaften in Ägypten, Tunesien, Libyen und Syrien beinahe zum Stillstand. Das blieb auch für die Türkei nicht ohne Folgen. In Ägypten und in Tunesien konnten die türkischen Exporteure zwar weiter zulegen, in Libyen und Syrien hingegen kam es zu Einbrüchen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bahçeşehir University Center for Economic and Social Research (Betam).

Das ägyptische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2011 um nur 1 % gewachsen. Die Arbeitslosenrate ist auf 15 % angestiegen, bei Jugendlichen soll sie bei mindestens 25 % liegen. Ausländische Direktinvestitionen sind von 6,4 Milliarden US-Dollar 2010 auf 500 Millionen US-Dollar 2011 gesunken, sagt der Economist. Trotzdem konnte die Türkei die Exportquote nach Ägypten weiter steigern und lieferte 2011 Waren und Dienstleistungen im Wert von 2,76 Milliarden US-Dollar nach Ägypten.

Auch die Revolution in Tunesien könnte den türkischen Exporten nichts anhaben. Tunesiens BIP ist 2011 zwar um 1,8 % geschrumpft. Trotzdem konnten die türkischen Lieferungen in das Land 2011 auf 803 Millionen US-Dollar gesteigert werden.

Der lange und zerstörerische Bürgerkrieg in Libyen blieb nicht ohne Folgen für die Wirtschaft: Die Wirtschaftsleistung in Libyen schrumpfte 2011 um mehr als 50 % und auch die ausländischen Direktinvestitionen sanken von 3,8 Milliarden US-Dollar 2010 auf fast null 2011. Die Exporte aus der Türkei schrumpften von 1,9 Milliarden US-Dollar 2010 auf 748 Millionen 2011.

Welche Auswirkungen der andauernde Konflikt in Syrien – und eine mögliche militärische Intervention (mehr hier) – auf die Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei haben wird, das steht noch nicht fest. Bereits 2011 gingen die türkischen Exporte nach Syrien jedenfalls bereits schon von 1,8 Milliarden US-Dollar auf 1,6 Milliarden US-Dollar zurück.

Der türkische Exportschlager 2011 war der Irak: Die Exporte dorthin sind um 37,8 % gestiegen und haben damit 8,3 Milliarden US-Dollar erreicht. Auch die Exportzahlen nach Saudi Arabien, Iran, Aserbaidschan, UAE, Georgien und Israel sind gewachsen. Doch auch in manchen dieser Länder könnte ein Umbruch bevorstehen. So ist besonders die Jugend in Saudi Arabien von anderen Ländern ermutigt und wird sich Unterdrückung und fehlende politische Freiheit im Land nicht ewig gefallen lassen (mehr hier).

Die Leistung der Türkei, die Exportwirtschaft in den vergangenen Jahren immer mehr von den OECD-Staaten abzukoppeln, bringt gemischte Erfolge: Einerseits macht sich die Türkei damit weniger abhängig von Wirtschaftskrisen im Euroraum. Andererseits hängt die türkische Wirtschaftsleistung aber damit von Ländern ab, die durch Umbrüche fast gänzlich zum Stillstand kommen können. Ein Grund, weiterhin auch verstärkt auf den Inlandskonsum zu setzen (der aber wiederrum zur Verschuldung immer mehr Türken führt – mehr hier).

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