Türkei schützt heimische Textilwirtschaft vor Importen

Die Türkei schützt die türkischen Bauwollproduzenten vor billigen Importen aus dem Ausland. Dagegen protestiert Indien nun vor der WTO. Die Regierung treibt damit die Preise für türkische Textilien in die Höhe und die türkische Textilwirtschaft verliert ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das hat auch Auswirkungen auf die deutsch-türkischen Textilunternehmer.

Indien wirft der Türkei vor, mit Importzöllen auf Baumwollgarn die türkische Baumwollindustrie schützen zu wollen. Indien will nun vor der Welthandelsorganisation (WTO) eine Klage gegen die Türkei einbringen. Das schreibt die WTO am Dienstag auf ihrer Webseite.

Die Türkei ist einer der größten Baumwollproduzenten weltweit. Anstatt der maximalen 5 %-Steuer , die mit der WTO vereinbart war, liegen die türkischen Importzölle bei 15 % bis 20 %. 2004 stammte noch 2,8 % der verarbeiteten Baumwolle in der Türkei aus Importen. 2007 lag diese Zahl schon bei 12,5 %. Alleine von 2006 auf 2007 sind die Baumwollimporte um 120 % gestiegen. Das sind die letzten verfügbaren Zahlen.

Schutzmaßnahmen als Art „Schutzsteuern“ werden von der WTO erlaubt, solange sie nur dabei helfen, vorübergehend einen unerwarteten Anstieg an Importen zu überdauern. Die türkischen Schutzmaßnahmen gelten seit 2008 und waren nur für drei Jahre vorgesehen. Diese Zeitspanne endete im Juli 2011. Die Türkei habe nun aber weitere „provisorische Schutzmaßnahmen“ verhängt.

Indien fordert nun als letzten Schritt vor einem Rechtsstreit „Beratungen“ mit der Türkei. Dabei geht es von indischer Seite aus um rund 600 Millionen US-Dollar jährlich, sagt ein Vertreter der indischen Regierung gegenüber Reuters. Mit diesem Aufruf habe Indien auch die Tür für Beschwerden anderer WTO-Mitglieder, die mit den türkischen Importzöllen unzufrieden sind, geöffnet.

Die türkische Textilwirtschaft hat aber nicht nur in der Türkei selbst einen großen Stellenwert. Etliche deutsch-türkische Unternehmer bauen auch in Deutschland auf die Qualität der türkischen Stoffe und die guten – und vergleichsweise günstigen –Arbeitskräfte in der Türkei. So führen beispielsweise Kemal Şahin und sein Sohn Akin Şahin in Würselen bei Aachen die „Şahinler“-Gruppe. Das Unternehmen ist der drittgrößte Textilanbieter in Europa und macht rund eine Milliarde Dollar Umsatz. In Berlin beschäftigen die Brüder Güney mit ihrem Textil-Unternehmen Beysun über 1.000 Mitarbeiter und verkaufen jeden Monat rund 1,5 Millionen Kleidungsstücke (mehr hier).

Einfuhrzolle wie auf Baumwollgarn haben zur Folge, dass in der Türkei zwar mehr produziert wird und mehr Arbeiter in der Branche gebraucht werden. Letztendlich werden die Preise für Textilien in der Türkei damit aber teurer und die Türken kaufen weniger Textilien. Und teurere Preie für Baumwollprodukte aus der Türkei verschlechtert die internationale Wettbewerbsfähigkeit der türkischen Textilbranche. Auch deutsch-türkische Textilunternehmer werden sich dadurch langfristig für eine Produktion außerhalb der Türkei entscheiden.

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