„Im Syrien-Konflikt kämpfen Türkei und Iran um Vorherrschaft in der Region“

Im Mittleren Osten sei nicht Platz für einen Schah und einen Sultan, schreibt Soner Çağaptay. Der arabische Frühling habe Erdoğan und Ahmadinedschad endgültig entzweit. Die iranische Antwort auf die türkische Syrien-Politik sei die Unterstützung der PKK und der schiitischen Dawa-Partei von Maliki im Irak.

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Die Türkei ist in der NATO verankert und orientiert sich zum Mittleren Osten hin. Das Land ist heute eine viel größere Gefahr für den Iran als eine rein westlich orientierte Türkei vor einem Jahrzehnt. Und im ältesten Machtspiel der Region beziehen die Türkei und der Iran ihre Stellungen. „Im Mittleren Osten ist Platz für einen Schah oder einen Sultan. Aber nicht Platz für einen Schah und einen Sultan“, schreibt Soner Çağaptay vom Washington Institute for Near East Policy in der New York Times.

 

Erdoğan: Wird er der Sultan des Mittleren Ostens? (Foto:DTN)

Erdoğan: Wird er der Sultan des Mittleren Ostens? (Foto:DTN)

Der „arabische Frühling“ habe Erdoğan und Ahmadinedschad endgültig entzweit. Aufbauend auf demokratischen Traditionen hat die Türkei die Revolutionen und die Protestanten unterstützt. Die autoritäre iranische Führung hingegen unterstützt weiterhin das Assad-Regime (und hilft beim Umgehen des Embargos – mehr hier). Syrien sei zu einem „Nullsummenspiel“ geworden: „Entweder Bashar al-Assad gewinnt, oder die Demonstranten werden triumphieren. Ebenso wurde daraus ein Stellvertreterkrieg zwischen Teheran und Ankara, bei dem es nur einen Gewinner geben kann“, sagt Çağaptay.

Mittlerweile vergehe kaum ein Tag, an dem nicht eine offizielle iranische Stimme die Türkei bedroht. Erst kürzlich drohte der iranische General Yahya Rahim Safavi: „Die Türkei muss ihre Syrien-Politik, das NATO-Raketenabwehrschild und die Förderung muslimischen Säkularismus in der arabischen Welt grundlegend überdenken. Ansonsten wird die Türkei Probleme mit ihrer eigenen Bevölkerung und ihren Nachbarn bekommen.“

Auf Anraten des Irans habe Assad alle Reformvorschläge der Türkei ignoriert. Die Antwort des Iran auf die türkische Unterstützung der syrischen Opposition ist die iranische Unterstützung der PKK (die seit dem Sommer 2011 schon mehr als 150 Türken getötet hat – mehr hier und hier). Der Syrien-Konflikt hat auch Auswirkungen auf die Irak-Politik der beiden Länder. Seit den ersten demokratischen Wahlen 2005 unterstützte der Iran die schiitische Dawa-Partei von Nuri Kamal Maliki. Die Türkei hingegen unterstützte die säkulare Bewegung von Ayad Allawi. Nach den Wahlen 2010 stellt Maliki die Regierung im Irak – ein Sieg für Ahmadinedschad.

Und es besteht sogar die Möglichkeit, dass der Iran bald noch aggressiver werden könnte. Experten sprechen davon, dass die iranische Al-Quds-Einheit – die Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden für exterritoriale Operationen – sich mit der PKK im Nordirak zusammenschließen könnte, schreibt Çağaptay. Ziel wären dann sowohl die Türkei als auch die irakischen Kurden.

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