Globaler Vergleich: Türkische Jugendliche hinken ihren Altersgenossen hinterher

Wie ein aktueller Bericht der Weltbank aufzeigt, bleibt der durchschnittliche 15-jährige türkische Jugendliche in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften hinter seinen Altersgenossen, die in den OECD-Staaten leben, zurück.

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In einer entsprechenden Pressemitteilung, die den Bericht begleitet, heißt es, dass, obwohl sich die Bildung in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert hätte, es in der Türkei nach wie vor Probleme in Bezug auf die „Gerechtigkeit und Qualität“ des Bildungssystems gebe.

Nur 16 Prozent der 15-Jährigen besuchen Schulen mit „durchschnittlich Testergebnissen in den Bereichen Lesen, Mathematik oder Naturwissenschaften, die mit dem OECD-Durchschnitt vergleichbar sind“. Noch größer klafft die Lücke bei den Studenten. Zu unterschiedlich seien die Bildungsangebote und Abschlüsse.

Türkei: Frühkindliche Bildung ist grundlegend

Der wichtigste Faktor, der für die derzeitige Misere verantwortlich gemacht werden kann, liegt jedoch im „sozio-ökonomischen und familiären Hintergrund des Einzelnen“. Die Türkei müsse ihr Bildungssystem verbessern, „um auf das Wachstum und die Ambitionen des Landes zu reagieren“. Der Grundstein hierfür muss allerdings früh gelegt werden. Der Bericht regt deshalb auch eine bessere frühkindliche Bildung, effizientere Lehrer, bessere Systeme der Finanzierung und mehr Verantwortlichkeit als mögliche Lösungen für diese Herausforderungen an.

Derweil fordern Lazen und Tscherkessen im Rahmen einer kürzlich vonstatten gegangenen Konferenz der Föderation der Vereine des Kaukasus (KAFFED) und dem Lazischen Kulturverein mehr Anerkennung ihrer Sprache innerhalb der Türkei. So sollte ihrer Meinung nach Unterricht in der Muttersprache der Schüler im Grundgesetz verankert werden. Neben den Forderungen gab es auch generelle Kritik am türkischen Schulsystem: „Das Schulsystem ist autoritär und hat das Ziel, einen einheitlichen Menschen hervorzubringen. Es empfindet Unterschiede als Bedrohung und ist von kultureller und demokratischer Vielfalt weit entfernt“, so die Versammlungsmitglieder (die Konferenz fand in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt – mehr hier).

Erdogan: Erziehung einer religiösen Jugend?

Unterdessen scheint Premier Recep Tayyip Erdogan einen anderen Ansatz zu verfolgen, wenn er in der Polit-Talkshow „Tarafsız Bölge“ betont: Religion bewahrt die Jugendlichen der Türkei vor Drogenkonsum. Seine These sorgte in Folge dessen nicht nur für Zündstoff, sondern weckte etwa in der Kolumnistin Ezgi Başaran von der Tageszeitung “Radikal”, auch ein Fünkchen Hoffnung. Denn sie halte es für grundsätzlich richtig, dass die Diskussion um die Zukunft der Jugendlichen eröffnet sei und erklärte: Wenn sich die Diskussion zurzeit noch um die Frage drehe, ob die Jugendlichen religiös, atheistisch oder rebellisch seien, so hoffe sie, dass man früher oder später auf das Bildungssystem zu sprechen kommen werde (in den Medien wurden die Vor- und Nachteile der Religiösität stark diskutiert – mehr hier).

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