Gefährliche Munition: Unterrichtsfach „Waffenkunde“ für Kinder in Diyarbakır

Seit 1990 wurden in der Stadt Diyarbakır 477 Kinder Opfer von Bomben, Munition oder Minen. Mit einer außergewöhnlichen Unterrichtsinitiative wollen Sicherheitskräfte den Schülern beibringen, sich besser vor gefährlicher Munition zu schützen.

Schüler der Grund- und Mittelschule in der südost-anatolischen Stadt Diyarbakır bekommen neben den normalen Unterrichtsfächern wie Sprache, Mathe und Sport ein ungewöhnliches Unterrichtsfach dazu: Unterweisung in Waffenlehre. Damit sollen nicht etwa die Kämpfer von morgen ausgebildet werden. Vielmehr steckt hinter diesem Vorhaben der Plan, Kinder vor gefährlicher Munition zu schützen. Deshalb werden an 125 Schulen rund 27.000 Schülern des Bezirks Silvan Unterweisung in Waffen erteilt (auch Frauen fühlen sich vom Staat nicht hinreichend beschützt und wünschen sich Waffen, um ihren Schutz in die eigene Hand zu nehmen – mehr hier).

Handlungsbedarf sah die Gendarmerie, weil seit 1990 bis heute insgesamt 477 Kinder Opfer von Bomben, Munition oder Minen geworden sind. Daraufhin hatten die Sicherheitskräfte beim Bildungsministerium einen Antrag auf das außergewöhnliche Unterrichtsvorhaben gestellt. Dieser war bewilligt worden.

Seitdem erklären Sicherheitskräfte den Schulkindern anhand von Bildern von insgesamt 22 Munitionstypen wie Handgranaten, Raketenwerfern und Mienen die Eigenheiten der gefährlichen Waffen. Sie wollen den Schülern beibringen, sich von solcher Munition fernzuhalten und ihren Familien, der Polizei oder der Gendarmerie Bescheid zu sagen, sollten sie auf diese Munition treffen.

Nach einem Bericht des Vereins „Leben der Kinder“, hätte allein im vergangenen Jahr der Tod von mehreren Kindern verhindert werden können. Zwei Kinder waren durch Waffen von Soldaten und vier Kinder im Feuergefecht gestorben. Da Waffen traurigerweise zum Alltag der Kinder gehören, bleibt zu hoffen, dass es den Kindern gelingt, sich selbst besser zu schützen – besser als es den Erwachsenen gelungen ist.

Mehr zum Thema:

Selbstverteidigung: Türkinnen wünschen sich Waffen als Mitgift
Leyla Zana: Waffen sind die „Versicherung der Kurden“
Waffenhandel: Russisches Schiff mit Munition vor türkischer Küste

Türkischer Sicherheitsexperte klärt auf: Darum gehen Frauen zur PKK

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.