Bundespräsident: Deutsch-Türken wünschen sich zweiten Wulff

Mit Wulff hatten Migranten endlich das Gefühl, auch von der deutschen Politik anerkannt zu werden. Besonders für die deutsch-türkische Freundschaft habe er viel geleistet. Nun hoffen sie, dass sich der neue Bundespräsident ihnen gegenüber genauso verhält.

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Wie kein anderer Bundespräsident vorher hat sich Christian Wulff öffentlich für Migranten und Muslime eingesetzt. Auf muslimischen Feiern zum Fastenbrechen war er gern gesehener Gast. Den Einladungen folgte er häufig. Selbst die Korruptionsaffäre hat bei vielen nicht zu Ablehnung geführt. Zu groß ist offenbar das Bedürfnis, auch in der deutschen Politik Anerkennung zu finden. Die Solidarisierung von Migranten und Muslimen mit Wulff zeigt, wie sehr man auf diesen Vorstoß gewartet hatte. Verständlich, dass sich Muslime jetzt über die Zukunft sorgen.

Für den Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) war seine Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland, sehr wichtig. Damit habe er das Gefühl der „Zugehörigkeit und Akzeptanz“ bei Muslimen gestärkt, erklärt ein Verbandssprecher den Deutsch Türkischen Nachrichten. An Spekulationen zu seinem Rücktritt und der Korruptionsaffäre wollen sie sich nicht beteiligen, denn für die deutschen Muslime sei derzeit etwas ganz anderes wichtig. „Wir hoffen, dass der neue Bundespräsident die Linie von Wulff weiter verfolgt und den Muslimen genauso viel Anerkennung entgegenbringt“, so der Verband (Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime will trotzdem, dass Wulff für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird – mehr hier).

TD-IHK: Wulff hat viel für die deutsch-türkische Freundschaft geleistet

Die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer bedauere die Entwicklungen, die zum Rücktritt Wulffs (hier) führten, sehr. Die TD-IHK unterstreicht ebenfalls Wulffs Bedeutung für die in Deutschland lebenden Migranten. Besonders sein Besuch in der Türkei im Jahr 2010 habe zu einem besseren Verhältnis zu Deutschland geführt. Die

TD-IHK erklärt: „Christian Wulff hat mit diesem Engagement seine Sympathie für die Türkei gezeigt und einen wichtigen Beitrag zur Freundschaft unserer beiden Länder geleistet. Des Weiteren setzte er sich in seinem Amt als Bundespräsident nachdrücklich für die Interessen der Migrantinnen und Migranten in der Bundesrepublik ein und bekräftigte immer wieder, dass sie einen festen und wichtigen Teil der deutschen Gesellschaft darstellen.“

Noch deutlicher äußert sich die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB): „Christian Wulff hat diesem menschlichen und modernen Deutschland in seinem Amt als Bundespräsident eine Stimme gegeben. Teilwerdung der Bürger bei aller Unterschiedlichkeit, dafür hat er sich in seinem Amt als Staatsoberhaupt eingesetzt.

Hierin war Christian Wulff der weitsichtige und umsichtige Bundespräsident, der mit seiner Aussage ‚Der Islam gehört auch zu Deutschland‘ den gordischen Knoten der deutschen Einwanderungsgesellschaft löste. Er war der Präsident, den die Migranten und Muslime, aber auch die Mehrheitsgesellschaft brauchten, um Deutschland auf dem Weg zur Einheit voranzubringen. Damit hat er einen soziopolitischen Meilenstein gelegt und vollste Anerkennung und Dank verdient.“

Weiter heißt es in der Stellungnahme der DITIB: „Die Stärkung des Zusammenhalts in der Gesellschaft, ist der Maßstab des guten Miteinanders von Menschen, insbesondere in Hinblick auf die Unterschiedlichkeit in Bedürfnissen, Herkunft und Religion aller Bürger.“ Der Nachfolger Wulffs müsse sich „an diesen Maßstäben messen lassen“.

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