Vorstoß in Brooklyn: Erste Agentur für muslimische Models eröffnet

Die Agentur Underwraps im New Yorker Stadtteil Brooklyn wurde erst vor wenigen Wochen gegründet. Dennoch erregt ihr Vorhaben auch jenseits des großen Teichs ordentlich Aufsehen. Die Gründerin hat nämlich ein ganz besonderes Anliegen: Sie will muslimische Models an weltbekannte Designer vermitteln.

Die Liste der muslimischen Models in der westlichen Welt ist alles andere als lang. Doch das könnte sich bald ändern. Junge Frauen, die sich in der Modewelt etablieren, dabei aber keine nackte Haut zeigen wollen, hat nun die in Brooklyn wohnhafte Fashiondesignerin Nailah Lymus die passende Antwort.

„Muslimische Models kommen aus einem Hintergrund, in dem sie sich dem Islam angemessen kleiden. Doch um in der Modebranche und als Model arbeiten zu können, müssen sie das aufgeben“, erklärt die 27-jährige Lymus die bisherige Situation, die für sie letztlich den Anstoß gab, die Agentur Underwraps ins Leben zu rufen. „Um ins Geschäft zu kommen muss man sich nicht unbedingt selbst verlieren“, so ihre Ansicht (einen ähnlichen Vorstoß wagte in der Türkei das neue Modemagazin „Alâ“, welches ausschließlich bedeckte Damen präsentiert – mehr hier).

Erste Agentur für muslimische Models weltweit

Bereits seit 2004 entwirft Lymus Kleidung und Accessoires. Ihren Faible für Mode entdeckte sie allerdings bereits in Kindertagen im zarten Alter von sieben Jahren. Seit nunmehr acht Jahren lebt sie ihren Traum und versucht die natürliche Ausstrahlung der Frauen zu unterstreichen. Lymus, die sich zunächst mit Kindermode auseinandersetzte, ist Autodidaktin. Schon immer musste sie sich gegen große Namen der Modeszene behaupten. Doch mittlerweile gehört auch sie zum etablierten Kreis, zeigte ihre Mode zuletzt auf der Fashion Week in New York und war auch bei der Couture Fashion Week 2011 mit dabei. Nicht-traditionelle Ansätze, die sich mit islamischer Sitte und Mode auseinandersetzten, spielten bei ihr schon immer eine Rolle. In ihrer neuen Agentur, übrigens der ersten Agentur für weibliche muslimische Models weltweit, kann sie ihre beiden Passionen Sittsamkeit und Mode nun verbinden und das Beste aus beiden Welten herausholen.

„Ich werde immer wieder zum Thema Islam und das Frausein im Islam befragt“, berichtet die in den USA geborene Muslimin. Ich mag es sehr die Möglichkeit zu haben, auf solche Fragen antworten zu können und ein Licht auf die Rechte der Frauen zu werfen, die Gott ihnen gegeben hat. Ich war immer eine leidenschaftliche Muslimin, aber auch in punkto Mode. Das nun ist die perfekte Verschmelzung beider Leidenschaften.“

Modewelt und islamische Regeln miteinander vereinbaren

Ihre Agentur Underwraps hat zum Ziel muslimische Models mit Mainstream-Designern zusammenzubringen und gleichzeitig deren religiöse Überzeugungen und Anforderungen zu respektieren. Konkret bedeutet das: Kleidung, die weit genug ist, um nicht die Figur zu sehr zu betonen und nur das Gesicht sowie Hände und Füße zeigt (in den Niederlanden dürfen sich Frauen demnächst überhaupt nicht mehr voll verschleiern – mehr hier). Dies möglich zu machen, das ist Nailah Lymus‘ größter Wunsch. Doch, dessen ist sie sich wohl bewusst: Es gilt gegen viele Missverständnisse und Stereotypen gegen muslimische Frauen in der Modewelt anzutreten. Falls ihr es gelingen sollte, diese Damen nachhaltig im Mainstream zu positionieren, dann wäre der jungen Designerin ein echter Quantensprung gelungen (Kopftuch und BMW das ging in der Türkei offenbar nicht zusammen – mehr hier).

Und diese Aufgabe nimmt Underwraps sehr ernst. Die Agentur arbeitet professionell wie jede andere Modelagentur auch. Bereits während der  New York Fashion Week schickte Lymus ihre Models zu den Castings wie jede andere Agentur auch. Im Moment ist die Zahl der Models noch sehr übersichtlich. Vier Mädchen werden gerade aufgebaut, zwei sind offiziell unter Vertrag. Eines der Mädchen ist Afro-Amerikanerin, eine weitere Mulattin. Während der Modewoche führte Lymus ihre Schützlinge in der Szene herum, nahm sie mit auf Partys und ließ sie in die Branche hineinschnuppern. Neben Attraktivität müssen ihre Mädchen übrigens noch andere Attribute mitbringen: Die Inhaberin legt besonderen Wert auf eine starke Persönlichkeit. Schließlich liegt es an ihnen mitzuhelfen die Wahrnehmung muslimischer Frauen von außen zu verändern. Denn sie können mehr als nur den Haushalt führen und in Abayas herumlaufen (in Deutschland kommt das humorige Spiel mit den Klischees nicht besonders gut an – mehr hier).

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