Die Konya-Europa-Connection: Vereine protestieren gegen den Export von türkischen Kinderbräuten

Immer mehr minderjährige Mädchen aus Anatolien werden mit Verwandten in Europa zwangsverheiratet. Der Schritt nach Europa gilt als Chance. Vereine protestieren dagegen und betonen: Schulbildung ist wichtiger.

Immer mehr sogenannte Kinderbräute aus der mittelanatolischen Stadt Konya werden mit ihren männlichen Verwandten in Europa zwangsverheiratet. Waren es seit dem Anwerbeabkommen vor 50 Jahren Arbeiter, die ihre Heimat verließen, um ihr Glück in Europa zu versuchen, sind es in den letzten Jahren immer mehr 13-17 jährige Mädchen, die von ihren Familien besonders nach Deutschland und nach Norwegen geschickt werden.

In den Bezirken Cihanbeyli, Sarayönük, Beyşehir und Derebucak der Stadt Konya leben durch den Wegzug vieler Familien nach Europa hauptsächlich alte Menschen, zurückgekehrte Rentner aus Europa und junge unverheiratete Mädchen. Nach einer Meldung der Tageszeitung Radikal werden diese Mädchen zur Heirat mit Verwandten in Europa gezwungen. (Seit kurzem thematisiert zum ersten Mal eine Fernsehserie das Tabuthema Zwangsheirat im türkischen Fernsehen, mehr hier)

Diese Tatsache hat viele Vereine auf den Plan gerufen. Gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung in Konya und der örtlichen Verwaltung haben sie das Projekt „Die Auswirkungen der frühen Zwangsheirat auf die Gesellschaft und die Familie“ begonnen.

„Dieses Phänomen hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbreitet. Die jungen Mädchen wissen, dass sie sowieso nach Norwegen gehen werden, deshalb widmen sie sich nicht ihren Schulaufgaben, sie kommen nicht einmal zur Schule“, zitiert die Tageszeitung Radikal Dr. Barbaros Yalçın von der Universität Selçuk.

Um dem Problem entgegenzuwirken, müsse die Gesellschaft aufgeklärt werden. Ihre Tochter mit einem Verwandten in Europa zu verheiraten, würden viele Familie als Chance für das Kind bewerten. „Aber die Situation in Europa hat sich verändert. Dort gibt es die Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit nimmt mit jedem Tag zu. Das versuchen wir den Eltern zu erklären. Das wichtigste ist immer die Bildung. Wir gehen von Tür zu Tür und erklären den Familien, was eine Heirat eigentlich bedeutet und wie wichtig die Schulbildung ist“, so Zekeriya Mızırak von der Universität Konya.

Um die Mädchen noch besser zu schützen, sollte die örtliche Initiative allerdings mit europäischen Institutionen zusammenarbeiten.

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