Israelischer Bericht: Syrien hält türkische Geheimdienstler gefangen

Syrien soll türkische Geheimdienst-Beamte festhalten und die Türkei soll Überläufern der syrischen Armee Unterschlupf gewähren. Außerdem habe sich der türkische Geheimdienst bestechen lassen und oppositionelle Kräfte an Syrien ausgeliefert. Offiziell jedoch verschärft sich die Haltung der Türkei gegen Syrien.

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Über 40 türkische Geheimdienst-Beamte sollen von der syrischen Armee gefangen gehalten werden. Das geht aus einem israelischen Bericht hervor. Der Bericht, der am Samstag in der israelischen Tageszeitung Haaretz veröffentlicht wurde, gibt an, die Türkei habe intensive Verhandlungen mit Syrien geführt, um die Freigabe der Beamten zu sichern. Syrien auf der anderen Seite fordert, dass die Türkei, abtrünnige Offiziere der syrischen Armee ausliefert, die zur Opposition überlaufen wollen und sich zurzeit noch in der Türkei befinden. Außerdem macht Syrien die Weiterführung der Verhandlungen von der Blockade des Waffentransfers der Türkei abhängig sowie davon, dass die Türkei nicht zulässt, dass die Freie Syrische Armee durch ihr Territorium geht. Außerdem fordert Syrien, dass der Iran (der Syrien dabei hilft, das Embargo zu umgehen, mehr hier) die Verhandlungen der türkischen Offiziere unterstützen soll.

Dem Bericht zufolge lehnt die Türkei die syrischen Forderungen ab. Das deute darauf hin, dass Ankara seine Einstellung gegenüber Syrien weiter verschärfen würde. (Die Türkei hatte vorher erklärt, sie wolle die syrischen Flüchtlinge aufnehmen, mehr hier)

Gleichzeitig hat Syrien vor kurzem Informationen von türkischen Offizieren veröffentlicht, denen zufolge sie vom israelischen Mossad ausgebildet worden seien. Sie hätten Anweisungen erhalten, Bomben zu werfen, um die Sicherheit des Landes zu untergraben. Auch solll der Mossad die Freie Syrische Armee ausbilden und Mossad-Agenten sollen nach Jordanien gekommen seien, um Kaida-Offiziere auszubilden, die dann nach Syrien gehen.

Auch gibt der Bericht an, die Türkei habe zwischen der Freien Syrischen Armee und dem Iran vermittelt, um die Freilassung von mehreren iranischen Staatsbürgern zu sichern, die von den syrischen Regierungsgegnern festgehalten wurden.

Der Bericht erscheint nur ein paar Tage nachdem in der Türkei herauskam, dass mindestens ein Beamter des türkischen Geheimdienstes (MİT) bei der Entführung der zwei syrischen Überläufer, Mustafa Kassum und Hussein Harmush, die der syrischen Autoritäten ausgehändigt wurden, beteiligt gewesen war.

Harmush war desertiert und im vergangenen Juni in die Türkei geflohen aber war unter ungeklärten Umständen im September wieder in Syrien aufgetaucht. Er hatte zugegeben, an Aktionen gegen die syrische Regierung beteiligt gewesen zu sein. MİT-Offiziere sollen 100.000 Dollar Bestechungsgeld vom syrischen Geheimdienst angenommen haben, um Harmoush an Syrien zurückzuliefern. Auch Geheimdienst-Chef Hakan Fidan soll von der Angelegenheit gewusst haben. Am 30. Januar hatte die Syrische Liga für Menschenrechte erklärt, dass Harmoush von syrischen Sicherheitskräften umgebracht worden war.

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