Fazıl Say: „Fetih 1453 ist nichts als Werbung von Türken für Türken”

Wenn ein Film keine Kunst, keine Neuerung, keine Revolution mit sich bringt, habe er keinen Nutzen für die Gesellschaft, so Fazıl Say. Für so einen Film komponiert er keine Musik.

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Der derzeit berühmteste Pianist der Türkei, Fazıl Say, zeigt sich verärgert über die Gerüchte, er habe an der Filmmusik zu dem heftig umstrittenen Film „Fetih 1453″ mitgearbeitet. Say selbst betont, der Film sei nichts anderes als eine „Werbung von Türken für Türken“. Er habe bereits den Produzenten bezüglich der Gerüchte gewarnt.

„Wir haben darüber gesprochen, dass ich die Filmmusik komponieren würde und ich spielte mit dem Gedanken, Teile der Istanbul Sinfonie  1453 (1. Teil, Nostalji) als Filmmusik zu verwenden. Ich hatte gesagt, ich werde mich erst vollständig entscheiden, nachdem ich große Teile des Films gesehen habe und das habe ich getan. Ich habe mich gegen dieses gewaltige Projekt entschieden.

Der Grund sei, dass ein Film seiner Meinung nach nicht nur eine Gesellschaft ansprechen dürfe. Nur ein Film, der von allen Menschen als „gut“ empfunden werden kann, habe eine Funktion. Beispielsweise habe der Film „Kahpe Bizans“ nur das türkische Publikum angesprochen. Sobald man aber über Kapıkule hinaus gehe, verstehe keiner mehr den Film“, so Say.

Immer wieder lobten die Türken das türkische Heldentum. Fatih der Eroberer, so räumt auch Say ein, hatte einige kreative und brillante Ideen. Was aber genau darunter zu verstehen sei, wisse die türkische Gesellschaft noch immer nicht. Genauso wenig wie sie Atatürk verstehe.

„Wenn sich also nur die Türken über diesen Film freuen werden, warum sollen ihn dann andere überhaupt ansehen? Ist es das Ziel des Films, dass die Menschen aus dem Westen am Ende sagen: Wir, die wir eine andere Religion haben, sind doch nicht so toll wie wir bislang dachten. Wir sollten lieber Türken sein?“

„Wenn ein Film keine Kunst, keine Neuerung, keine Revolution mit sich bringt, wenn er nicht mit bestimmten Sichtweisen abrechnet, sondern wenn alles nur Klischee ist, welchen Nutzen hat der Film dann für die Gesellschaft?“ (Say hatte Erdoğan dafür kritisiert, noch nie in einem Konzert oder in der Oper gewesen zu sein, mehr hier) Die Antwort auf diese Frage habe er nicht gefunden – und sich deshalb aus dem Projekt zurückgezogen. Wer letztendlich die Musik zu dem Film geschrieben habe, wisse er auch nicht.

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