Schulden in Millionenhöhe: So steht es um den türkischen Fußball

Rund 25 Prozent der Anteile der Vereine werden an der Istanbuler Stock Exchange als Wertpapiere gehandelt. Die Aktien-Emissionen bringt den Klubs mehr Kapital, aber augenscheinlich für weniger Erfolg. Die Verschuldung der türkischen Vereine ist sehr hoch und kann bald zu einem Problemkind werden. Der türkische Fußballverband und die SüperLig-Vereine: Eine finanzielle Bilanz!

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Die Marktwerte: Die SüperLig ist 1,2 Milliarden US-Dollar schwer  

Der Marktwert von Fenerbahçe liegt bei 600 Mio. US-Dollar. Meister Fenerbahçe ist damit der wertvollste Verein der Türkei schlechthin. Vor dem Manipulationsskandal lag die Marktkapitalisierung bei stolzen 1,5 Mrd. US-Dollar. Der Lokalrivale Beşiktaş, hat hingegen einen Wert von 150 Mio. US-Dollar, während Galatasaray mit 170 Mio. US-Dollar knapp vor den Adlern liegt. Vizemeister und Schwarzmeer-Klub Trabzonspor hat einen Börsenwert von 200 Mio. US-Dollar. Insgesamt kommt die türkische SüperLig auf einen finanziellen Wert von knapp 1,2 Mrd. US-Dollar und liegt damit auf dem weltweit 7. Platz. Die deutsche Bundesliga ist finanziell gesehen um den Faktor 1,6 größer als die SüperLig.

Schuldenberge häufen sich: UEFA Financial-Fair-Play könnte zum Problem werden

Die Klubs erzielen seit langer Zeit mehr Ausgaben als sie Einnehmen und verschulden sich bei ihren Präsidenten, die ihr Geld irgendwann zurückfordern, spätestens dann, wenn ein neuer Kandidat um die Präsidentschaft kämpfen will (selbst die Stadien bleiben immer öfter leer, auch diese Einnahmen fehlen – mehr hier). Die jetzigen Präsidenten der drei „Istanbullen“ haben eigene Konzerne und schenken ihren Vereinen nicht etwa große Geldmengen. Vielmehr stellen sie das Kapital als zinslosen Kredit zur Verfügung um operativ aktiv sein zu können. Pokalsieger Beşiktaş hat rund 260 Mio. US-Dollar an Verbindlichkeiten, davon gehen 50 Mio. US-Dollar an den Präsidenten Yildirim Demirören bzw. an das Demirören Holding. Mit 200 Mio. US-Dollar an Schulden kann Meister Fenerbahçe die Situation nicht bessern, während Galatasaray 170 Mio. US-Dollar im Minus steht.

Die Klubs erzielen seit langer Zeit mehr Ausgaben als sie Einnehmen und verschulden sich bei ihren Präsidenten, die ihr Geld irgendwann zurückfordern, spätestens dann, wenn ein neuer Kandidat um die Präsidentschaft kämpfen will (selbst die Stadien bleiben immer öfter Geld, auch diese Einnahmen fehlen – mehr hier). Die jetzigen Präsidenten der drei „Istanbullen“ haben eigene Konzerne und schenken ihren Vereinen nicht etwa große Geldmengen. Vielmehr stellen sie das Kapital als zinslosen Kredit zur Verfügung um operativ aktiv sein zu können. Pokalsieger Beşiktaş hat rund 260 Mio. US-Dollar an Verbindlichkeiten, davon gehen 50 Mio. US-Dollar an den Präsidenten Yildirim Demirören bzw. an das Demirören Holding. Mit 200 Mio. US-Dollar an Schulden kann Meister Fenerbahçe die Situation nicht bessern, während Galatasaray 170 Mio. US-Dollar im Minus steht.

Aus finanzieller Sicht lässt sich die Lage als aussichtslos beschreiben, denn die Vereine haben keine immens großen Einnahmequellen (als ob der Manipulationsskandal nicht schon Problem genug wäre – mehr hier). Das Merchandising läuft nur bei Fenerbahçe einigermaßen gut. Die Einnahmen aus den UEFA-Wettbewerben halten sich aufgrund des frühen Scheiterns in überschaubaren Grenzen. Nur die finanzielle erfolgreiche TFF-Auschreibung um die TV-Übertragungsrechte der SüperLig bringt gutes Geld. Die Vereine kassieren von LigTV bzw. der Digitürk-Konzernfamilie pro Saison 321 Mio. US-Dollar.
Allerdings ist bekannt, dass die UEFA sehr bald Vereine mit hohem Verschuldungsgrad und Verbindlichkeiten aus den Wettbewerben ausschließen will. Die Wahrscheinlichkeit dieser Maßnahme wird aber schon länger als gering eingestuft, weil gerade die Top-Vereine wie Real Madrid, Manchester United oder FC Liverpool hohe Schulden haben und meistens an Investoren gebunden sind. Die finanzielle Entkoppelung ist also nicht in Sicht.

Der amtierende deutsche Meister Borussia Dortmund hat Verbindlichkeit in Höhe von 105 Millionen Euro bei einem Jahresüberschuss von knapp fünf Millionen Euro. Um FC Bayern steht es viel besser. Die Münchner haben ein Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro und sind schuldenfrei! Titelgewinn und gute Finanzierung geht also! Allerdings gibt es auch Weltvereine, die operativ gesehen schlechter dastehen als türkische Vereine: Champions League-Sieger FC Barcelona hat ein Schuldenberg von 170 Millionen Euro. Die Einnahmen der Katalanen belaufen sich auf mehr als 350 Millionen Euro. Manchester United hat es noch schlimmer erwischt. Die Reds stehen mit über 800 Millionen Euro im Minus. Wäre kein Investor hinter Manu, müsste man schon längst Insolvenz anmelden.

Finanzielle Situation anderer Vereine:

Real Madrid – Umsatz: 401,4 Mio. Euro (Schulden: 327 Mio. Euro – Gewinn: 74,4 Mio. Euro)
Arsenal London – Umsatz: 263 Mio. Euro (Schulden: 485 Mio. Euro – Gewinn: -222 Mio. Euro)
Chelsea London – Umsatz: 242,3 Mio. Euro (Schulden: 817 Mio. Euro – Gewinn: -574,7 Mio. Euro)
FC Liverpool – Umsatz: 217 Mio. Euro (Schulden: 325 Mio. Euro – Gewinn: -108 Mio. Euro)
Juventus Turin – Umsatz: 203,2 Mio. Euro (Schulden: 188,2 Mio. Euro – Gewinn: 15 Mio. Euro)
Inter Mailand – Umsatz: 196,5 Mio. Euro (Schulden: 394,88 Mio. Euro – Gewinn: -198,38 Mio. Euro)
AC Mailand – Umsatz: 196,5 Mio. Euro (Schulden: 300 Mio. Euro – Gewinn: -103,5 Mio. Euro)

Machtspielchen ganz normal: TFF hat Einnahmen von über 100 Mio. US-Dollar

In der Spielzeit 2009/10 erzielte der TFF ein Einnahmeüberschuss von rund sechs Mio. US-Dollar. Zum Vergleich: Der DFB kam auf einen Gewinn von 4,6 Millionen Euro. Den größten Einnahmebetrag steuern Sponsoren und die Übertragungslizenzen zu (90 Mio. US-Dollar), während für die türkische Nationalmannschaft am meisten ausgegeben wird (30 Mio. US-Dollar pro Saison). Der jährliche Umsatz des türkischen Verbandes liegt bei 240 Mio. US-Dollar, was eine stolze Summe darstellt. Damit sollte klar sein, warum der Posten des Verbandspräsidenten so begehrt ist und stets unter Einflussfaktoren steht.

Türkische Liga kauft für teureres Geld weniger erfolgreiches Personal

In der Saison 2011/12 kaufte die Liga für 130 Mio. Euro ein und hat im Gegenzug im Wert von 100 Mio. Euro Spieler verkauft. Unterm Strich hat die Liga (gem. Vereine), abgesehen von den internen inländischen Transfers, mehr Geld ausgegeben als eingenommen. In der vergangenen Saison erzielte man ein Minus bei den Transfers von 70 Mio. Euro. Bekannt ist, dass meistens die verpflichteten teuren ausländischen Neuzugänge nicht überzeugen oder die entstandenen Kosten mit guten Leistungen legitimieren. Am Ende kostet eine Meisterschaft oder ein Pokalgewinn doch mehr, als das man überhaupt mit dem Titelgewinn einen finanziellen Gewinn erzielen könnte.

Die finanziellen Einflussfaktoren und die Koppelung an Konzerne erschwert die Entscheidungsfindung sehr. Die großen Vereine mit Zwangsabstieg zu saktionieren ist deshalb nicht so einfach, wie es scheint. Bekannt ist zumindest, dass die TV-Ausschreibung bei einem Zwangsabstieg ihre Gültigkeit verliert und der Rechtsinhaber (Digitürk) bei der Liga einen monetären Schadensersatz geltend machen kann.

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