Muslimische Modelagentur „Underwraps“: Kann das wirklich funktionieren?

Mit ihrer weltweit ersten Agentur für muslimische Models sorgt die 27-jährige Designerin Nailah Lymus derzeit für Furore. Doch wie groß ist eigentlich der Bedarf, den das im New Yorker Stadtteil Brooklyn angesiedelte Unternehmen abdecken will? Gibt es überhaupt einen Markt?

Die Laufstege dieser Welt sind voll von schönen, aber oft auch sehr freizügigen jungen Menschen. Die Models präsentieren ihre Körper ohne Scheu und zeigen Stellen, die ihre Eltern vielleicht lieber verborgen sehen würden. Schamgrenzen sind hier fehl am Platz. Alles für die Kunst lautet die Devise. Die in Brooklyn wohnhafte Fashiondesignerin Nailah Lymus hat seit kurzem einen Gegenentwurf parat (sie will mit ihrer Agentur ausschließlich muslimische Models an große Designer vermitteln – mehr hier). Doch kann sie damit wirklich einen neuen Trend auslösen?

Die in den USA geborene Muslimin Nailah Lymus ist sich sicher, dass junge Frauen in Sachen Verhüllung keine Kompromisse eingehen brauchen. Mit ihrer Agentur will sie sicherstellen, dass ihre Mädchen keine zu freizügigen Outfits tragen müssen (das türkische Modemagazin “Alâ”, welches ausschließlich bedeckte Damen präsentiert, verfolgt das gleiche Konzept – mehr hier). Dass der Markt dafür alles andere als klein ist, davon ist die Vorreiterin überzeugt: „Bescheidenheit ist nicht nur ein muslimisches Konzept, es betrifft viele Religionen und Kulturen“, betont sie den umfassenden Ansatz ihrer Idee. Jetzt hätten all die wunderschönen Frauen, die schon immer auf den Laufsteg wollten, doch auf Grund ihres Glaubens nicht konnten, eine Chance.

Weltweite Nachfrage nach muslimischen Models gestiegen

Noch ist das Vorhaben in seinen Anfängen. Drei Models sind bei Lymus unter Vertrag. Gelaufen sind diese bei Lymus‘ eigener Show und haben erste Castings auf der letzten New York Fashion Week absolviert. Zwei von ihnen unterschrieben bereits während einer Brautmoden-Boutique-Eröffnung in London im vergangenen Jahr. Mittlerweile ernet „Underwraps“ auch erste Anerkennung aus den eigenen „Modereihen“. So lobt etwa das US-Glamour-Magazin „Fashionista.com“ die Bemühungen der Gründerin, die Modeindustrie aufzubrechen und vielleicht sogar zu verändern. Auch Bethania Matheus, Direktorin von BM Models in Brighton, ist begeistert. In der Tat sei die weltweite Nachfrage nach religiös orientierter Mode und damit nach muslimischen Models gestiegen. Auch sie selbst habe sowohl entsprechende Anfragen von Designern als auch Nachfragen junger muslimischer Mädchen, die gerne modeln würden, erhalten. „Sittsamkeit betrifft Millionen. Photographen sollten kein Problem mit Models haben, die genau wissen, was sie tun wollen und was nicht. Das könnte eine große Chance für kreative Shoots sein“, so Matheus.

Das britische Model Shanna Bukhari, die im vergangenen Jahr viel Kritik von muslimischen Organisationen einstecken musste, weil sie letztes Jahr an der Wahl zur Miss Universe teilnahm – sie erhielt sogar Morddrohungen – ist schon jetzt Feuer und Flamme für die Idee aus Brooklyn: „Da würde ich definitiv unterschreiben.“ Sie selbst hatte aufgehört zu modeln, da sie die für sie nötigen Kompromisse nicht eingehen durfte. Doch wenn ein Model nun die Wahl hätte nicht zu viel Haut zeigen zu müssen, dann wäre das in ihren Augen geradezu perfekt.

Keine leichte Aufgabe: Hijab-Version von Claudia Schiffer

Bei aller Euphorie gibt es natürlich auch Skeptiker innerhalb der Branche.  Jana Kossaibati, die den muslimischen Fashion-Blog „Hijab Style“ betreibt, ist der Ansicht: „Ich glaube nicht, dass es so einfach sein wird ein Hijab-Version von Claudia Schiffer zu erschaffen. Das reduziert den islamischen Glauben auf Oberflächlichkeiten.“

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