Türkischer Schuldirektor: „Tötet alle potentiell gefährlichen Kinder!“

Es sind unglaubliche Forderungen, die derzeit ein türkischer Schuldirektor in den Raum stellt. Ginge es nach ihm, würden sämtliche Neugeborenen nicht nur einem einschlägigen Gentest unterzogen, sondern auch - und das ist der weitaus schockierendere Teil - "aussortiert" werden.

Die unglaubliche Idee des Leiters der Grundschule von Dumlupınar, Mustafa Aydın, sieht vor, diejenigen Kinder, die nachweislich schädlich für das Land sein könnten, schlicht zu “eliminieren”. Das berichtet derzeit die türkische Tageszeitung “Hürriyet“.

Abgleich von Blutproben: Straftäter vs. Neugeborene

“Die Kinder sollten sofort nach der Geburt untersucht werden. Wenn sie sich schädlich für dieses Land, diese Nation erweisen, dann sollten sie entfernt werden noch bevor sie laufen können”, so Aydın am vergangenen Montag während eines Treffens in der östlichen Provinz Erzurum, das von der hiesigen Polizei organisiert wurde (bei einem Luftangriff der türkischen Streitkräfte an der irakischen Grenze kamen zum Jahreswechsel 35 junge Männer ums Leben. Die Teenager wurden mit Terroristen verwechselt – mehr hier). Eigentlich ging es bei der Zusammenkunft um Gewalt unter Kindern und Wege, wie man diese verhindern kann. Aydın, der unter den Anwesenden war, wurde nach seiner Meinung gefragt, nachdem ein Redner seinen Vortrag beendet hatte. Daraufhin schlug der Grundschuldirektor die Entnahme von Blutproben bei Kriminellen auf der Polizeistation vor. Deren genetische Codes sollten dann als Vorlagen dienen, um diese später mit denen der Neugeborenen abzugleichen.

Todesschwadronen aus Brasilien als Vorbild?

Nach Ansicht von Aydın könnten Kinder nur so gut geraten wie ihre Familie (Erdogan will zum Beispiel eine religiöse Jugend heranziehen – mehr hier). “Die meisten Kinder in meiner Nachbarschaft sind Diebe”, argumentiert er weiter. “Ich ging durch die Straßen rund um mein Haus und dort sitzen die Kinder in Abbruchhäusern herum und halten sich streunende Hunde als Haustiere. Ich bat die Behörden diese Gebäude abzureißen. Doch nichts passierte.” Auch in Brasilien und Argentinien, führte er weiter aus, würden sich die Behörden mit der Gewalt unter Kindern befassen. “Vor Jahren wurde in Brasilien eine Organisation gegründet, um Straßenkinder zu beseitigen. Das habe ich mir nicht ausgedacht”, berichtet Aydın und ergänzt, dass 90 Prozent der Kinder mit gewalttätigem Hintergrund aus sozialschwachen Familien kämen und unter entsprechender Betreuung leben würden (in Brasilien gehen in der Tat immer wieder Nachrichten von so genannten Todesschwadronen, die unter anderem Straßenkinder ermorden, durch die Presse – mehr hier).

Schullleiter fühlt sich missverstanden

Die befremdlichen Ansichten des Direktors sorgten unter den Versammlungsteilnehmern für einige Aufregung. Mittlerweile hat auch das türkische Bildungsministerium reagiert und Mustafa Aydın an diesem Dienstag von seinen Pflichten entbunden. Eine Untersuchung des Vorfalls ist bereits eingeläutet.

Der Schulleiter hat sich auf Grund des großen medialen Drucks nun ebenfalls zu Wort gemeldet. Aus seiner Perspektive klingt die Sache allerdings ganz anders. Er erklärt: “Fragt mich nichts. 30 Jahre berufliche Karriere hat ein einziger Satz zunichte gemacht. Wenn ich nur ein Wort sage, wird es wieder falsch verstanden. Mein letzter Satz wurde falsch verstanden.” Offenbar war Mustafa Aydın aber nicht bewusst, dass seine Ansichten aufgezeichnet wurden:

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