Alte, weiße, reiche Säcke bestimmen über Oscars: Analyse zeichnet düsteres Bild der Entscheider

Am 26. Februar ist es mal wieder soweit: Im Kodak Theatre in Los Angeles kommen Stars und Sternchen zur 84. Verleihung der Academy Awards zusammen. Doch wer sich schon immer gefragt hat, warum ein Streifen, der nach persönlicher Einschätzung hervorragend war, nicht überzeugen konnte, der erhält jetzt eine mögliche Antwort.

Die Ursache, so bringt es einer der bekanntesten US-Promiblogger, der schillernde und vor allem scharfzüngige Perez Hilton, auf den Punkt, sei eindeutig in der Zusammensetzung der Entscheider zu suchen. Denn, „die Mehrheit der Wähler sind alte, reiche weiße Leute“.

Satte 94 Prozent der insgesamt 5,765 wahlberechtigten Mitglieder der am 4. Mai 1927 als gemeinnützige Vereinigung gegründeten Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) seien weiß, stolze 77 Prozent männlich, wohingegen nur zwei Prozent Afro-Amerikaner und zwei Prozent Latinos seien. Auch die demographische Struktur gibt zu denken. Das durchschnittliche Alter? 62! Nur 14 Prozent der wahlberechtigten Mitglieder sind unter 50 Jahre alt!

Oscar Entscheider nicht repräsentativ für Kinopublikum

Aus diesem Grund, davon ist der Blogger überzeugt, hat im letzten Jahr auch „The King’s Speech“ den Film „Social Network“ in der Kategorie „Best Picture“ geschlagen. Denn die meisten der Wahlberechtigten wüssten nicht einmal, was ein Soziales Netzwerk sei, geschweige denn, dass sie das Internet kennen würden. Auch in diesem Jahr, so führt er weiter aus, hätte man eine herbe Enttäuschung einzustecken. So sei „Drive“ in keiner der Hauptkategorien nominiert worden. Obschon es in der Kategorie „Best Picture“ durchaus noch einen Platz gegeben hätte. Noch schlimmer sei allerdings die Tatsache, dass nur zwei Filmsongs nominiert worden seien. Dabei seien im zurückliegenden Jahr so viele Melodien vorgestellt worden, die es allesamt verdient hätten (auch die Türkei will übrigens einen Film ins Rennen schicken – mehr hier, auf der Berlinale waren zwei bereits erfolgreich – mehr hier).

Zusammensetzung der AMPAS muss sich ändern

Dass die Academy derzeit alles andere als repräsentativ für das Publikum sei, welches Tag für Tag in die Kinos ströme, das würden ihm auch viele andere Leute bestätigen (selbst die Türkei hat in L.A. bereits eine Kulturbotschafterin – mehr hier). So meint etwa Hollywood-Star Denzel Washington, dass hier für mehr „Balance“ gesorgt werden müsste, wenn er sagt: „Wenn das Land aus 12 Prozent Schwarzen besteht, dann muss auch die Academy zu 12 Prozent schwarz sein. Wenn die Nation zu 15 Prozent aus Hispanos besteht, dann müssen auch 15 Prozent Hispanos in der Academy sein. Warum denn nicht?“ Neben einem gerechten Anteil verschiedener Ethnien gelte es aber auch die Altersstruktur zu überdenken. So sieht das zumindest der Schauspieler und Academy-Mitglied Alfre Woodard. Ein Film wie „Shame“ habe seiner Meinung nach kaum eine Chance auf Grund seines offensichtlichen sexuellen Inhalts. Wäre das Durchschnittsalter bei 45 bis 50 Jahren, dann könnten auch brillante Filme wie dieser auftauchen, den ein älteres Publikum aber offenbar nicht sehen möchte.

Für Perez Hilton ergibt sich daraus nur eine mit Augenzwinkern gemeinte Erkenntnis: Jeder, der in diesem Jahr Wetten auf die Oscars abschließe, sollte sein ganzes Geld auf einen ganz bestimmten Film setzen – „The Artist“.

Mehr zum Thema:

Nach Schwulen-Spruch: Auch Eddie Murphy boykottiert die Oscars
Wer darf zu den Oscars? Türkische Jury muss aus sieben Filmen wählen
„Die eiserne Lady“: Erste Auszeichnung für Meryl Streep

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.