Griechenland: Unternehmen flüchten vor Arbeiterprotesten in die Türkei

Einer der größten Profiteure der Finanzkrise in Griechenland ist die Türkei. Durch die sinkenden Preise der griechischen Produkte sind die Importe aus dem Nachbarland um knapp 40 Prozent gestiegen. Außerdem siedeln sich viele Firmen in der Türkei an. Der Grund: Hier werden keine Proteste der Arbeitnehmer erwartet.

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„In Anbetracht der logistischen Kosten, ist es logisch, dass griechische Exporteure in den stabilen türkischen Markt vordringen wollen“, erklärt Selim Egeli, Vorsitzender des Türkisch-Griechischen Wirtschaftsforums der Kommission für Außenwirtschaftliche Beziehungen (DEIK), im Interview mit der Hürriyet.

Doch viel wichtiger erscheint ein anderer Grund, den Egeli nur nebenbei erwähnt. Das wachsende Interesse der griechischen Unternehmen an der Türkei ist nicht nur auf die Nähe der Länder zurückzuführen. „Endlose Proteste der Gewerkschaften“ werden in der Türkei nicht erwartet, so Egeli. Für die griechischen Arbeitgeber dürfte das am wichtigsten sein. Einen Zuwachs von 10 Prozent an griechischen Firmen ist in der Türkei innerhalb eines Jahres zu verzeichnen.

Der Finanzberater Karkanis Ionnis arbeitet in Istanbul und unterstützt griechische Firmen. „Griechische Geschäftsleute fühlen sich wohl in der Türkei“, sagt er der Hürriyet. Und das vor allem „dank der investitionsfreundlichen Geschäfts-Umgebung“. Solange die Interessen der türkischen Arbeitgeber nicht genügend vertreten werden, ist weiterhin ein Anstieg der griechischen Unternehmen zu erwarten.

„Allein in den vergangenen vier Jahren haben wir mehr als 10 Millionen Euro in unsere Produktionsanlage in Burdur investiert“, erklärt Vassilios Kykrilis, Generaldirektor des Bewässerungstechnik-Unternehmes Eurodrip mit Hauptsitz in Athen.

Die türkische Wirtschaft profitiert dabei ebenfalls. Die griechischen Produkte wurden im Zuge der Krise besonders günstig (für viele Griechen ist die Türkei auch ein Weg aus der Arbeitslosigkeit – mehr hier). Der türkische Export stieg innerhalb eines Jahres um 6,37 Prozent von 1,455 Milliarden auf 1,55 Milliarden US-Dollar, während die Importe aus Griechenland um 40 Prozent von 1,54 Milliarden auf 2,56 Milliarden gestiegen sind (vor allem Gas exportieren die Türken nach Griechenland – mehr hier).

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