Türkei: Erdoğan und AKP-Regierung reiten auf Erfolgswelle

Die Unterstützung für Premierminister Erdoğans AKP liegt derzeit bei 53 %, die der CHP bei nur mehr 20 %. Die politischen, wirtschaftlichen und religiösen Erfolge Erdoğans werden zwar gewürdigt, doch 71 % der Türken sorgen sich vor wirtschaftlichen Problemen und hoher Inflation.

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Die AKP-Regierung von Premierminister Erdoğan legt in aktuellen Umfragen von Sonar Araştırma weiter zu: Seit den Wahlen im Juni 2011 hat sich die Zustimmung um weitere 3 % auf insgesamt 53 % erhöht. 51% halten die derzeitige Politik der AKP für grundsätzlich „erfolgreich“, nur ein Drittel für „nicht erfolgreich“. Würde heute wieder gewählt werden, dann wäre das eine solide Mehrheit.

Die CHP rutscht in den Umfragen immer weiter ab und liegt mit 20 % Zustimmung mittlerweile schon um 6 % unter dem Wahlergebnis aus 2011. Die MPH würde derzeit auf 16 % der Stimmen kommen (ein Plus von 3 %), die BDP auf 7 %. Für die Umfrage wurden 3.000 Türken in 26 Städten und 30 Dörfern befragt.

Ein Grund für die große Zustimmung für die Politik Erdoğans ist das außergewöhnliche Wirtschaftswachstum der Türkei seit 2003. Die türkische Volkswirtschaft ist im vergangenen Jahrzehnt von 144 Milliarden US-Dollar auf 735 Milliarden US-Dollar angewachsen, sagt die Weltbank.

Erdoğans Regierung trotzt derzeit vor Stolz: Das Land macht sich immer unabhängiger von Exporten in die EU und den OECD-Raum (mehr hier). Auch der Kurs der Türkischen Lira zieht 2012 kräftig an (mehr hier). Und türkische Unternehmen sind bei ausländischen Unternehmen derzeit hoch im Kurs (mehr hier). Die Regierung möchte nun sogar, dass Istanbul bald als Finanzplatz New York und London ablöst (mehr hier).

Doch die Umfrage zeigt auch, dass 71 % aller Türken derzeit wirtschaftliche Probleme und die hohe Inflation Sorgen bereiten. Auch drohende Arbeitslosigkeit und Terrorismus sehen viele Türken als Herausforderung für die Zukunft. Und die Aussagen kommen auch nicht unbegründet: Im Januar hatte die türkische Inflationsrate den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht (mehr hier). Die Umbrüche in Libyen, Tunesien und Ägypten brachten spürbare Folgen für die türkische Exportwirtschaft mit sich (mehr hier). Die türkischen Privathaushalte sind stark verschuldet (mehr hier), was zu einem Platzen der türkischen Immobilienblase führen könnte (mehr hier). Gleichzeitig kämpfen die türkischen Bauern mit hohen Diesel- und Futtermittelpreisen und ziehen vermehrt in die Städte (mehr hier).

Das politische und wirtschaftliche System der Türkei ist derzeit auch ein Vorbild für die Staaten des „Arabischen Frühlings“. Erdoğans Verdienst in der Türkei war es, die Muslime vom Generalverdacht zu befreien, der sie über lange Zeit in der freien Ausübung ihrer Religion behinderte. Erdoğan hat auch erste, vorsichtige Schritte unternommen, den christlichen Kirchen die Möglichkeit zu geben, ihre Religion einigermaßen ungestört ausüben zu können. Sein zweites Verdienst: Er hat den tiefen Staat und vor allem das Militär in die Schranken gewiesen. Dass die Pressefreiheit dabei vielfach auf der Strecke blieb, ist eines der großen Versäumnisse Erdoğans. Aber er hat es verstanden, das Verhältnis von Religion und Staat ein Stück weit nach westlichem Vorbild zu normalisieren (mehr hier).

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