„National Enquirer“ in der Kritik: Tote Whitney spaltet die Fans

Darf man das? Geht das Medium hier zu weit? Wo liegt die Grenze des guten Geschmacks? Oder gilt: Alles für die Quote? Die Veröffentlichung von Fotos der toten Whitney Houston im „National Enquirer“ schrecken auf. Die User im Netz sind uneins. Das ist in Ordnung, sagen die einen. Das geht gar nicht, schimpfen die anderen.

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Die Nahaufnahme, die seit vergangenen Mittwoch das Cover des „National Enquirer“ ziert, zeigt eine schutzlose Whitney Houston. Ohne Scheu hat der bisher unbekannte Fotograf auf den Auslöser gedrückt, während die Familie rund um ihre erst 18-jährige Tochter Bobbi Kristina am 17. Februar, einen Tag vor der großen Trauerzeremonie, im Whigham Funeral Home in Newark, New Jersey, ihren ganz privaten Abschied ohne Kameras nehmen wollte (genau wurde ihre Kleidung und ihr Schmuck beschrieben – mehr hier).

Mittlerweile beschäftigt Medien und Fans die Veröffentlichung gleichermaßen. So zeigten etwa „Jezebel“ und der „Fox 411 Blog“ die Bilder ebenfalls an prominenter Stelle – ohne ihre Leser vorzuwarnen. Auch die große britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ thematisierte den Vorfall, machte den Leichnahm von Whitney Houston allerdings aus Pietätsgründen unkenntlich. Wie der „National Enquirer“ an die Aufnahmen gelangt ist, ist bisher nicht bekannt, informiert derzeit die „Washington Post“. Sowohl die Familie Houston als auch die Inhaber des Whigham Funeral Home schweigen.

„National Enquirer“: Kasse mit dem toten Elvis Presley

Bereits in der Vergangenheit erregte der „National Enquirer“ mit solchen Veröffentlichungen großes Aufsehen. Das Cover mit dem toten Elvis Presley in seinem Sarg aus dem Jahr 1977 verkaufte sich sagenhafte 6.5 Millionen mal. Auch vor dem toten Michael Jackson machte das Medium nicht Halt. Sein Leichnahm wurde im Rahmen der Prozess-Berichterstattung rund um seinen ehemaligen Leibarzt Dr. Conrad Murray im Gerichtssaal gezeigt (über das Urteil war Katherine Jackson alles andere als erfreut – mehr hier). Das Blatt veröffentlichte das befremdliche Bild erneut.

Für „Washington Post“-Redakteurin Sarah Anne Hughes wurde hier ganz klar eine Grenze überschritten. Das Verhalten der Redaktion ist ihrer Ansicht nach hochgradig unethisch. Noch dazu, da es offensichtlich ohne Einverständnis der Familie Houston geschehen ist. Auch auf Twitter, so berichtet sie, herrsche darüber weitestgehend Konsens.

Öffentliche Trauerfeier – Wo liegt die Grenze?

Doch wo sollte die Linie eigentlich gezogen werden? Immerhin, die Trauerzeremonie von Whitney Houston am 18. Februar konnten Millionen Fans mit Einverständnis ihrer Angehörigen live im Internet mitverfolgen (Patentante Aretha Franklin war nicht anwesend, auch darüber wird momentan spekuliert – mehr hier).  „Celebritology“ der „Washington Post“ stellte einen Livestream zur Verfügung und schrieb Beiträge zur Trauerfeier.

Auch CNN übertrug die bewegende Zeremonie. Durchschnittlich fünf Millionen Zuschauer verfolgten das gut dreieinhalb Stunden dauernde Geschehen an den Bildschirmen. Natürlich gab es das Bedürfnis für die Leute draußen, in dieser Stunde ihrem Idol nahe zu sein. Doch es gab schon hier kritische Stimmen. So war die BBC gezwungen ihre Entscheidung, die Trauerfeier zu übertragen, zu verteidigen. 34 Beschwerden erreichten den Sender, denen man mit dem Argument des öffentlichen Interesses begegnete. Andere Medien wie zum Beispiel Entertainment Weekly und ABC News gingen sogar noch weiter: Sie boten ein Liveblogging zur Zeremonie an. Auch Fotoagenturen wie Getty und AP waren beteiligt. Sie schossen zahlreiche Bilder der Gäste außerhalb der Kirche in Newark, auch von Houstons Sarg und dem Leichenwagen, in dem sie befördert wurde. Vergleichbar mit dem, was sich der „National Enquirer“ da geleistet hat, ist das sicherlich nicht. Doch wäre auch das nötig gewesen?

Dramatische Bilder – Wo liegt die Pietätsgrenze?

Gründe, einen toten Menschen öffentlich abzubilden, gibt es eigentlich nie. Dennoch zeigen Medien zuweilen drastische Aufnahmen wie etwa die letzten Photos des blutüberströmten Muammar al Gaddafi kurz vor seinem Tod. Online und Print wurden diese Aufnahmen weithin verbreitet. Keines der Blätter konnte sich dem entziehen, die Nachrichtenlage ignorieren schon gar nicht. Ganz im Gegenteil: Der Aufschrei wäre groß gewesen. Hätten sie doch offensichtlich ihre Informationspflicht verletzt. Hier galt der Grundsatz: Ein Bild zeigt mehr als Tausend Worte. Chaos, Brutalität, Mob – etwas, was schwer oder auch gar nicht in Worte zu fassen war. War es im Fall von Whitney Houston genauso?

Im Blog der „Washington Post“ sind am späten Nachmittag fast 100 Kommentare zum Thema eingegangen. Einige argumentieren historisch, andere beziehen sich auf das Empfinden der Familie, Betrachter und die Art des Abdrucks. Eine gemeinsame Linie  des „Richtig oder Falsch“ finden sie nicht. Einer bringt es allerdings auf den Punkt: „Schade, dass Whitney Houston nicht einmal im Tod ihren Frieden finden kann.“

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