Le Pen: Keine muslimische Halal-Schlachtung in Frankreich!

Die französische rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen macht religiös konformes "Helal"-Fleisch zum Politikum. Die muslimische Minderheit dominiere bereits Frankreich. Doch auch Tierschützer diskutieren über die "tierfreundlichste" Art zu schlachten.

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Der Fleischverkauf in Frankreich ist zum Politikum geworden. Auslöser war eine Dokumentation im französischen Fernsehen, deren Produzenten herausgefunden haben wollten, dass sämtliches in Paris verkauftes Fleisch nach islamischem Ritus hergestellt wird. In diesen Wochen, in denen Frankreich ohnehin aufgrund der anstehenden Wahlen angespannt ist, sorgen diese Enthüllungen nun für große Aufregung.

Die Dokumentation zeigt, dass vieles von dem Fleisch, das nicht extra als „helal“, d.h. religiös konform, bezeichnet ist, dennoch nach islamischer Tradition hergestellt ist. Der Grund: die Einkaufstheken wollten keine zwei Reihen einführen, in denen ihre Kunden anstehen müssen.

Besonders Marine Le Pen, Tochter von Jean-Mari Le Pen und seit Januar vergangenen Jahres Vorsitzende der rechtsextremistischen Partei Front National (FN) hat einen Narren an diesem Thema gefressen. Mit ihm geht sie auf Stimmenfang und erhofft sich, so Sarkozys rechte Wählerschaft für sich zu gewinnen.

„Alle Schlachthöfe in Paris unterliegen den Regeln einer Minderheit. Wir haben jeden Grund angewidert zu sein“, zitiert sie die Nachrichtenagentur Reuters. Le Pen hat angekündigt, eine Klage einzureichen.

Auch Sarkozy hatte vorher–ebenso wie sein Vorgänger Jacques Chirac – die Stimmen der rechten Wähler bekommen, als er den Ganzkörperschleier und Kopftuch in Schulen verboten hatte. (Erdoğan hatte gesagt, die Haltung Sarkozys in der Armenier-Frage zeuge von dessen Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen, mehr hier)

Doch das Thema ruft nicht nur rechte Wähler wie Politiker auf den Plan, sondern ebenso Tierschutzgruppen, Verbraucherschützer und Vertreter der Lebensmittelindustrie.

Dabei argumentieren einige europäische Tierschutzorganisationen, dass die jüdische oder islamische Schächtung nicht so tierfreundlich ist wie die europäische Praxis, nach der die Tiere erst betäubt werden, bevor man sie tötet.

Der Meldung von Reuters zufolge ist bei der islamischen Schächtung eine Betäubung wie die EU sie vorschreibt, nicht erlaubt.

Gleichzeitig merkt der Artikel an, dass das Fleisch, auf das sich Le Pen bezieht, strikt genommen nicht als „helal“ durchgehen würde, weil das Tier vermutlich nicht gen Mekka gedreht oder die Schächtung nicht von einem Muslim mit dem Worten „bismillah“ (im Namen Gottes) eingeleitet würde.

„Diese Polemik fordert, dass wir Transparenz in die Sache bringen“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Frederic Freund, Leiter der Tierschutzorganisation Aid to Aminals in Abattoires.

In Frankreich ist der Handel mit dem Halal-Fleisch ein boomendes Geschäft. Immer mehr Schulen, Krankenhäusern und Unternehmens-Kantinen steigen auf Fleisch um, das nach den Regeln des Islams hergestellt wird. Das allerdings führt zu immer mehr Spannungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen.

Doch wie genau das Fleisch produziert wird, scheint nicht geklärt zu sein. Behörden geben an, dass das meiste Fleisch, das in Paris verkauft wird, von Schlachthöfen außerhalb der Stadt kommt, welche nach europäischen Standards schlachten.

Jean-François Hallepee, Vorsitzender einer Gruppe von Viehzüchtern, hingegen sagte, eine Studie habe ergeben, dass hundert Prozent des geschlachteten Fleischs „helal“ ist. Nachdem die Nachfrage für das helal-Fleisch abgedeckt wird, wird das darüber hinaus produzierte Fleisch ohne Kennzeichnung verkauft. Damit sollen die Kosten des helal und koscheren Fleischs gesenkt werden.

Die große muslimische und kleine jüdische Minderheit Frankreichs machen zusammen gerade einmal zehn Prozent der Bevölkerung aus, von der nicht alle unbedingt Fleisch essen, das nach religiösen Vorschriften produziert wurde.

Halal-Fleisch zu essen ist zu einem „Identitätsmarker“ geworden, so der Reuters-Bericht. Der Markt für Halal-Fleisch ist zweimal so groß wie der für organische Lebensmittel und wächst jährlich um ca. 20 Prozent.

„Die starke Zunahme an Halal-Fleisch ist eine der bedeutendsten Phänomene der Transformation und Identitätsbekundung des Islams in Frankreich in dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhundert“, bewertet der Islamexperte Gilles Kepel in einer neuen Studie zum muslimischen Leben in den Vororten des Pariser Nordens.

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