Richard Dawkins: Existiert Gott vielleicht doch?

Er gilt, neben dem bereits verstorbenen Christopher Hitchens, als der wohl bekannteste Atheist der Welt. Doch in dieser Woche hat Professor Richard Dawkins seine Anhänger überrascht. Er gab zu, dass er nicht 100 Prozent sicher sein könne, dass Gott nicht doch existiere.

Gegenüber Dr. Rowan Williams, dem Erzbischof von Canterbury, erklärte Dawkins, dass er für sich selbst die Bezeichnung Agnostiker bevorzuge und eben nicht Atheist. Beide nahmen in dieser Woche an einer öffentlichen Debatte in der Oxford University teil, in der eine heftige Diskussion über die Rolle der Religion im öffentlichen Leben Großbritanniens entfachte (in der Türkei soll Gott sogar in die Verfassung kommen – mehr hier).

Erst in der vergangenen Woche hatte Sayeeda Hussain Warsi, Baroness Warsi, Geschäftsführende Vorsitzende der Conservative Party, vor einer Flut des „militanten Säkularismus“ gewarnt, die die religiösen Grundfesten der britischen Gesellschaft erschüttern würden (grundfest ist auch eine bekannte US-amerikanische Familie, die in einer Reality Show das Leben mit 19 Kindern vorführt – mehr hier). Die jetzige Debatte im Sir Christopher Wren’s Sheldonian Theatre zog weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Die Diskussion konnte live im Internet verfolgt werden und wurde parallel auf Twitter heftig kommentiert.

Evolution auch ohne Gott schön und kompliziert genug

Über gut 80 Minuten sprachen die beiden Männer über „Die Natur der Menschen und die ultimative Frage nach ihrer Entstehung“. Dabei gingen sie unter anderem auch auf die Bedeutung des Bewusstseins und die Evolution der menschlichen Sprache ein. Die meiste Zeit lauschte der Erzbischof aufmerksam den Ausführungen des Dawkins über die menschliche Evolution. Er lobte ihn sogar für seine Erklärung über die Ursprünge des Lebens. Dieser erwiderte jedoch: „Was ich nicht verstehen kann, ist, warum sie die außergewöhnliche Schönheit der Idee, dass das Leben aus dem Nichts entstanden ist, nicht sehen können – das ist eine so erschütternde und trockene, elegante, schöne Sache, warum sollte man sie mit so etwas chaotischem wie Gott vollstopfen?“

Dr. Williams antwortete ihm, dass er „ganz einverstanden“ sei mit der „Schönheit“ von Prof. Dawkins These, fügte aber hinzu: „Ich spreche nicht von Gott als etwas, was extra hinzugefügt wird.“ Als dann Dawkins widerum gestand, dass er die Existenz von Gott nicht 100 Prozent ausschließen könne, waren alle überrascht. Der Philosoph Sir Anthony Kenny, der die Diskussion leitete, warf ein: „Warum nennen Sie sich selbst dann nicht Agnostiker?“ Daraufhin Dawkins: Das tue er doch. Ein äußerst ungläubiger Sir Anthony antwortete nun: „Sie werden als der weltbekannteste Atheist bezeichnet.“ Eine Beschreibung, die Dawkins offenbar ganz und gar nicht schmeckt. Zu 6,9 von 7 sei er sich sicher, das Richtige zu glauben. „Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass es einen übernatürlichen Schöpfer gibt, ist sehr sehr niedrig.“ Auch sei er davon überzeugt, dass es auf der anderen Seite eine hohe Wahrscheinlichkeit gebe, dass auf anderen Planeten Leben existiere.

Bibel und Physik des 21. Jhds. gehen nicht zusammen

Die Debatte nahm darauf hin einen weiteren, theoretischeren Verlauf in Folge dessen noch einige interessante Aspekte zur Sprache kamen. So warf etwa der Erzbischof ein, dass er durchaus daran glaube, dass sich die Menscheheit aus einem nicht-menschlichen Ahn entwickelt hätte, die Menschen aber niemals das „Abbild Gottes“ seien. Darüber hinaus sei auch das Buch Genesis nicht wörtlich zu nehmen. Die Autoren von einst und die Physik des 21. Jahrhunderts seien schließlich etwas grundverschiedenes.

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