Tod westlicher Journalisten in Syrien: Türkische Kollegen solidarisieren sich!

Gerade als sie ein Medienzentrum der Opposition in Homs besuchten, schlug das Geschoss ein. Der Tod der US-Amerikanerin Marie Colvin und ihres französischen Kollegen Rémi Ochlik Mitte der vergangenen Woche in der syrischen Rebellenhochburg hat auch ihre türkischen Kollegen aufgeschreckt. Sie gingen am vergangenen Freitag für sie auf die Straße.

Aus zahlreichen Vereinigungen waren die Journalisten zusammengekommen, um in Ankara gegen den Tod der beiden westlichen Reporter zu protestieren. In Scharen versammelten sich Vertreter der Türkischen Photojournalisten Vereinigung (TFMD), der Türkischen Vereinigung der Nachrichten-Kameraleute (THKD) und der so genannten Diplomatischen Reportervereinigung (DMD) vor der syrischen Botschaft.

Oberhäupter von Journalisten-Vereinigungen protestieren mit

TFMD-Präsident Talay Ulusu unterstützte das Anliegen der versammelten Kollegen vor der anwesenden Presse. Auch er betonte noch einmal, dass das syrische Regime sofort mit der Tötung von Journalisten aufhören müsse. Auch seine Kollegen der anderen Vereinigungen, DMD-Präsident Zeynep Gürcanlı, THKD-Präsident Ulusu, THKD-Generalsekretär Celal Çevirgen sowie TFMD-Generalsekretär Gürsel Eser waren bei den Protesten zugegen (erst Mitte Februar hat eine US-Professorin die Türkei dazu aufgefordert in der Syrien-Frage mehr zu liefern als Worte – mehr hier).

Am vergangenen Mittwoch wurden zwei westliche Journalisten in der besetzten syrischen Rebellenhochburg Homs ermordet. Sowohl Aktivisten als auch Augenzeugen berichten, dass das Gebäude im Stadtteil Baba Amr, in dem sich beide aufhielten, beschossen wurde. Die 55-jährige Amerikanerin Marie Colvin arbeitete seit 20 Jahren für die britische „Sunday Times“. Ihr 28-jähriger französischer Kollege, der Photograph Rémi Ochlik, begleitete sie. Beide waren erfahrene Kriegskorrespondenten sowohl im Mittleren Osten als auch andernorts. Vor allem Colvin galt als furchtlose Reporterin, die bereits bei einem früheren Einsatz in Sri Lanka im Jahr 2001 ein Auge verloren hatte. Seitdem trat sie in der Öffentlichkeit mit einer mittlerweile zum Markenzeichen gewordenen schwarzen Augenklappe auf. Am selben Tag wurden zwei weitere Kollegen verletzt: Die französische Reporterin Edith Bouvier von der Tageszeitung „Le Figaro“ und der britische Fotograf Paul Conroy von der „Sunday Times“.

Bouvier bittet derzeit via YouTube um Hilfe:

http://www.youtube.com/watch?v=0MzvASvCZzg

Rebellenhochburg Homs seit 3. Februar unter Dauerbeschuss

Gerade der Syrien-Konflikt, so urteilen die türkischen Medien, stellt für die Journalisten im Augenblick ein besonderes Gefahrenpotential dar (die PKK soll derzeit das Machtvakuum in Nordsyrien füllen und sich mit Assad verbünden – mehr hier). Rebellen und Opposition würden meist in Enklaven zurückgedrängt. Pro-Oppositionelle Gebiete wie etwa Homs stünden seit 3. Februar unter Dauerbeschuss durch das Regime. Seither wurden nach Aussagen von Aktivisten erneut einige hundert Menschen getötet. Bereits im vergangenen Dezember sprach die UN von mehr als 5000 Toten seit Ausbruch der Unruhen im türkischen Nachbarland. Syrische Aktivisten gehen inzwischen von weit über 7000 aus, darunter 5500 Zivilisten (der türkische Außenminister Davutoğlu vergleich das Verhalten Assads mit dem von Kriegsverbrecher Milosevic – mehr hier).

Allein am vergangenen Freitag kamen laut der Aktivistengruppe LCC 53 Menschen landesweit bei Kämpfen ums Leben. In Anbetracht der anhaltenden Gräuel forderten die „Freunde Syriens“, eine Kontaktgruppe aus mehr als 70 Staaten, Machthaber Bashar al Assad noch am Freitag dazu auf eine Feuerpause einzulegen, um humanitäre Hilfe in die am schlimmsten betroffenen Gebiete entsenden zu können (das Assad-Regime blockiert derzeit Hilfstransporte – mehr hier). Bereits am Donnerstag hatte der türkische Außenminister Davutoglu erklärt, dass das nächste Treffen der Kontaktgruppe in der Türkei stattfinden werde. Auch der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen wird am kommenden Dienstag in einer Krisensitzung über die Lage in Syrien beraten (Auf Anraten des Irans habe Assad, so Soner Çağaptay vom Washington Institute for Near East Policy, alle Reformvorschläge der Türkei ignoriert – mehr hier).

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